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Heilstollenstraße 1 & 3

Gasthof Tauernbahn mit Villa Marie und Haus Ankogel, Hundeschule, Speissberger Areal

Heilstollenstraße 1 & 3

Gasthof Tauernbahn, Villa Marie und Haus Ankogel


Auf dem großen Grundstück steht noch das alte Gasthaus Tauernbahn. Früher bildete es ein Ensemble von Gebäuden. Noch dazu vor Ort zu sehen sind z.B. die Reste der Villa Marie mit einer Veranda und einigen kleineren Wirtschaftsgebäuden.  Altes Foto vom Gasthof Tauernbahn. [1]


Etablissement Scholz

Eine Beschreibung aus dem Jahr 1914: mit Foto 

"Böckstein bei Badgastein, Etablissement Scholz, Höhenkurort an den Tauern, 1 127 Meter ü. d. M., 50 Fremden- und Touristenzimmer, radioaktive Bäder, sämtliche Anlagen elektrisch beleuchtet."

Adolf Scholz, geboren 1863 in Brünn, war Besitzer des Etablissements. Er heiratete Anna Knoll, die Tochter von Anna, geb. Bergmann, und Josef Knoll, die damals das Gasthaus Gamskar führten.

Adolf und Anna Scholz bekamen unter anderem eine Tochter, Maria Scholz (*1907). Ihre Taufpatin war Rosa Moser, Hotelbesitzerin in Bad Gastein.

Interessant ist, dass die Tochter Maria Scholz später das Café Gamskar von ihren Eltern übernahm. Mehr dazu beim Standort Gamskarstrasse 15  [2]



Anna und Fritz Obrutschka

In den 1940er- und Anfang der 1950er-Jahre waren Anna und Fritz Obrutschka Pächter und Betreiber. Besitzer war die Familie Winkler aus Ybbs. Der Vater von Rita Winkler hatte das Hotelensemble in Böckstein gekauft und mit dem dazugehörigen Areal verpachtet.

Der Betreiber Fritz Obrutschka (*1894 †1956), gebürtiger Wiener, war von 1934 bis 1938 auch Bürgermeister von Bad Gastein. Am Tag des Anschlusses Österreichs an Hitlers Deutschland, dem 12. März 1938, wurde er von den neuen Machthabern abgesetzt. Für die Ostmark, wie Österreich nun hieß, wurden innerhalb kürzester Zeit die in Deutschland bereits zwischen 1933 und 1938 umgesetzten Maßnahmen zur Umgestaltung und Erfassung von Staat und Gesellschaft übernommen. Betriebe und öffentliche Ämter wurden, wie bereits erwähnt, entsprechend der nationalsozialistischen Politik mit politisch genehmem Personal neu besetzt. Den Betrieb hier durfte Fritz Obrutschka jedoch weiterführen, was er auch tat. [3]


Familie Winkler

Die Familie Winkler stammt aus Waidhofen an der Ybbs. Der Vater von Rita hatte das Hotelensemble gekauft, eventuell direkt von Adolf Scholz – das wissen wir nicht. Zunächst war, wie schon erwähnt, das Hotelensemble an Obrutschka verpachtet. In den 1950er-Jahren kamen Rita und Hans Winkler nach Gastein, um das Hotel selbst zu führen.


Hans & Rita Winkler sowie Roland & Elfriede Winkler

Anfang der 1950er-Jahre kamen also Hans und Rita Winkler von Ybbs nach Gastein, um das Hotel Tauernbahn selbst zu führen. Ihr Sohn Roland und seine Frau Elfriede unterstützten sie dabei. Sie wohnten zunächst mit ihren Töchtern Ruth und Rolanda in der Villa Ankogel, später dann in der Villa Marie. In dieser Zeit gab es hier sogar eine Tankstelle.

Nach dem Tod seiner Eltern – der Vater Hans starb 1975 und die Mutter Rita 1985 – übernahm Roland Winkler (*1922 †2013) den Betrieb und führte ihn gemeinsam mit seiner Frau Elfriede weiter.

Das Haus Ankogel – das größte Gebäude – war durch einen Verbindungsbau mit dem Haupthaus verbunden. Dort lebte Roland Winkler mit seiner Frau und den beiden Töchtern.

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Das Hotel Tauernbahn mit Wirtshaus bot seinen Gästen eine gute Wiener Küche an. Firmen aus Böckstein und Bad Gastein kamen mit ihren Angestellten zum Essen, ebenso viele Einheimische. Das Haus war auch ein großes Veranstaltungszentrum. Zur Faschingszeit wurden dort verschiedene Bälle, wie z. B. der Feuerwehr- und Musikerball, veranstaltet. In der Villa Marie gab es eine Bar und ein großes Lokal, das von Vereinen und anderen Gruppen gemietet wurde.

„Als wir Kinder waren, wurde auf der Veranda hier in der Villa Marie ein Kasperltheater aufgeführt. Zudem weiß ich, dass dort auch religiöse und politische Veranstaltungen abgehalten wurden“, erinnert sich Andrea aus Böckstein an die Zeit in den 1960er-Jahren.

Roland und Elfriede Winkler wurden älter und im Haus waren große Investitionen notwendig. In den 1980er-Jahren erwarteten die Gäste einen besseren Standard. Dies war ein Problem für viele Hotels und Pensionen im Gasteinertal. Die Gäste, die nun kamen, wollten eigene Badezimmer und Toiletten und nicht nur ein Waschbecken im Zimmer – und auf keinen Fall Zimmer mit Dusche und WC am Gang, was vor dem Krieg noch als moderner Standard gegolten hatte. Zuerst wurde hier die Zimmervermietung eingestellt und später auch der Restaurantbetrieb.

Bis Mitte der 1990er-Jahre war es für einige Stammgäste noch möglich, beim Winkler einzukehren, jedoch nur, um etwas zu trinken und gemütlich im Haupthaus zusammenzusitzen. Ende der 1990er-Jahre wurde der Betrieb Tauernbahn endgültig geschlossen. [4]


Hobby-Mineraloge

Roland Winkler (*1922 †2013) war nicht nur Wirt, sondern auch Hobby-Mineraloge. Er besaß eine beachtliche private Sammlung und war ein gefragter „Experte“ in Hobbyforen und bei Sammlern. Als Roland Winkler 2013 verstarb, kam seine Mineraliensammlung in gute private Hände. [5]


Firma Spiessberger & Hundeschule

Seit 2017/2018 gehört das gesamte Areal des ehemaligen Gasthofes Tauernbahn der Firma Spiessberger & Söhne. Auf der Wiese hinter dem Gasthaus hielt die Hundeschule von Anna Örneskans von 2019 bis 2022 Unterrichtsstunden ab. [6]

Ruth, geb. Winkler, die im Haus Tauernbahn aufgewachsen ist, erzählt, wie die jungen Leute früher hier hinter dem Haus Ski gefahren sind: „Damals standen ja keine Bäume dort, und die jungen Skifahrer konnten den steilen Hang hinunterfahren.“ [7]



Fußnoten/Quellen:
[1] Gastein im Bild: Gastein im Bild – Hotel zur Tauernbahn

[2] Das „Etablissement Scholz“ wird hier erwähnt: Salzburgwiki – Hotel „Zur Tauernbahn“. Geburts- und Taufurkunde von Maria Scholz, 1907. Der Vater wird darin als Besitzer des Gasthofes „Zur Tauernbahn“ genannt.

[3] Über ehemalige Bürgermeister: Salzburgwiki – Bürgermeister der Gemeinde Bad Gastein, abgerufen am 14. Mai 2023. Frau Leimböck erzählte, dass ihr Großvater Fritz Obrutschka Pächter und Betreiber war.

[4] Einträge im „Compass – Nachschlagewerk für Handel und Gewerbe“, 1946, 1947 usw., auf ZEDHIA. Telefonat mit Ruth Zeitlinger, geb. Winkler, Tochter von Roland und Elfriede Winkler.

[5] Eintrag im „Compass Zentralblatt“ 1955 sowie im Herold-Adressbuch 1957. Telefonat mit Ruth Zeitlinger, geb. Winkler, Tochter von Roland und Elfriede Winkler. Sie stellte auch den Prospekt und eine alte Ansichtskarte zur Verfügung. Chatnachrichten mit Romy Winkler.

[6] Die Informationen über die Mineraliensammlung stammen ebenfalls von Ruth Zeitlinger, geb. Winkler.

[7] Persönliche und öffentliche Informationen von Anna Örneskans über die Hundeschule. Beobachtung vor Ort, dass die Firma Spiessberger das Areal übernommen hat.

[8] Telefonat mit Ruth Zeitlinger, geb. Winkler, Tochter von Roland und Elfriede Winkler.

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