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Heilstollenstraße 1 & 3

Gasthof Tauernbahn mit Villa Marie und Haus Ankogel, Hundeschule, Speissberger Areal

Heilstollenstraße 1 & 3

Gasthof Tauernbahn, Villa Marie und Haus Ankogel


Auf dem großen Grundstück steht noch das alte Gasthaus Tauernbahn. Früher bildete es ein Ensemble von Gebäuden. Noch dazu vor Ort zu sehen sind z.B. die Reste der Villa Marie mit einer Veranda und einigen kleineren Wirtschaftsgebäuden.  Altes Foto vom Gasthof Tauernbahn


Familie Winkler 

Die Familie Winkler stammt aus Waidhofen an der Ybbs.  Das Hotelensemble in Böckstein kaufte der Vater von Rita Winkler. Zunächst verpachteten sie das Hotel mit dem dazugehörigen Areal, bevor Rita und Hans  später in den 1950er-Jahren nach Gastein kamen, um das Hotel selbst zu führen.1]


Anna und Fritz Obrutschka

In den 1940er und Anfang der 1950er Jahre waren Anna und Fritz Obrutschka Pächter und Betreiber. Fritz Obrutschka (*1894†1956) gebürtige Wiener war von 1934 bis 1938 auch Bürgermeister von Bad Gastein. Am Tag des Anschlusses Österreichs an Hitlers Deutschland, dem 12. März 1938, wurde er von den neuen Machthabern abgesetzt. Für die Ostmark, wie Österreich nun hieß, wurden innerhalb kürzester Zeit die in Deutschland bereits zwischen 1933 und 1938 umgesetzten Maßnahmen zur Umgestaltung und Erfassung von Staat und Gesellschaft übernommen. Betriebe und öffentliche Ämter mit nicht passenden politischen Ansichten wurden, wie bereits erwähnt, mit neuem, passendem Personal gemäß der NS-Arisierungspolitik besetzt. Den Betrieb hier durfte er weiterführen, was er auch tat. [2]


Hans, &  Rita Winkler sowie Roland & Elfriede Winkler

Anfang der 1950er Jahre kamen also Hans und Rita Winkler nach Gastein, um das Hotel Tauernbahn selbst zu führen. Deren Sohn Roland und seine Frau Elfriede  unterstürtzte sie dabei. Sie  wohnten zunächst mit den Töchtern Ruth und Rolanda in der Villa Ankogel, später dann in der Villa Marie. In dieser Zeit gab es sogar eine Tankstelle hier. Nach der Tod seiner Eltern. Der vater Starb 1975 und die Mutter 1985 übernahm Roland Winkler (*1922†2013) den Betrieb und führten ihn mit seiner Frau Elfreide weiter. Das Haus Ankogel - das größte Gebäude - war ein Verbindungsbau mit dem Haupthaus, in dem Roland Winkler mit seiner Frau und den zwei Töchtern lebte. 


Das Hotel Tauernbahn mit Wirtshaus bot seinen Gästen eine gute Wiener Küche an. Firmen aus Böckstein und Bad Gastein kamen mit ihren Angestellten zum Essen, sowie viele Einheimische. Das Haus war auch ein großes Veranstaltungszentrum. Zur Faschingszeit wurden verschiedene Bälle wie z.B. der Feuerwehr- und Musikerball dort veranstaltet. In der Villa Marie gab es eine Bar und ein großes Lokal, das von Vereinen und anderen Gruppen gemietet wurde. „Als wir Kinder waren, wurde auf der Veranda hier in der Villa Marie ein Kasperltheater aufgeführt. Zudem weiß ich, dass dort auch religiöse und politische Veranstaltungen abgehalten wurden“, erinnert sich Andrea aus Böckstein an die Zeit in den 1960er Jahren. 


Roland und Elfriede Winkler wurden älter und im Haus waren große Investitionen notwendig. In den 1980er Jahren erwarteten die Gäste einen besseren Standard. Dies war ein Problem für viele Hotels und Pensionen im Gasteinertal. Die Gäste, die nun kamen, wollten eigene Badezimmer/Toiletten und nicht nur ein Waschbecken im Zimmer, und auf keinen Fall Zimmer mit Dusche/WC am Gang, das vor dem Krieg noch als moderner Standard galt. Zuerst wurde hier die Zimmervermietung eingestellt und später der Restaurantbetrieb. 

Bis Mitte der 1990er Jahre war es noch für einige Stammgäste möglich, beim Winkler einzukehren, jedoch nur, um etwas zu trinken und gemütlich im Haupthaus zusammenzusitzen. Ende der 1990er Jahre wurde der Betrieb Tauernbahn endgültig geschlossen. [3]


Hobby-Mineraloge

Roland Winkler (*1922†2013) nicht nur Wirt, sondern auch Hobby-Mineraloge. Er besaß eine beachtliche private Sammlung und war ein gefragter „Experte“ in Hobbyforen und bei Sammlern. Als Roland Winkler 2013 verstarb, kam seine Mineraliensammlung in gute private Hände. [4]


Firma Speissberger & Hundeschule 

Seit 2017/2018 gehört das gesamte Areal des ehemaligen Gasthofes Tauernbahn der Firma Spiessberger & Söhne. Auf der Wiese hinter dem Gasthaus hielt die Hundeschule von Anna Örneskans von 2019 bis 2022 Unterrichtsstunden ab. [5]

Ruth, geb. Winkler, die im Haus Tauernbahn aufgewachsen ist, erzählt, wie die jungen Leute hier hinter dem Haus früher Ski gefahren sind. „Damals standen ja keine Bäume dort, und die jungen Skifahrer konnten den steilen Hang hinunterfahren.“[6]


Fußnoten/Quellen:
[1] EInträge im Compas. Nachschlagwerk f. d. Wirtschaft 1946, 1947 usw. auf www.zedhia.at. Telefonat mit Ruth Zeitlinger Geb. Winkler, Tochter von Roland und Elfriede. 

[2] https://www.sn.at/wiki/Bügermeister_der_Gemeinde_Bad_Gastein, 14. Mai 2023

[3] Eintrag Compas Zentralblatt 1955 + Herold-Adressbuch 1957. Telefonat mit Ruth Zeitlinger Geb. Winkler, Tochter von Roland und Elfriede. Sie hat auch den Prospekt und eine alte Ansichtskarte zur Verfügung gestellt. Chatnachrichten mit Romy Winkler

[4] Betreff Mineraliensammlung hat auch Ruth Zetlinger die Info erteilt

[5]Persönliche und öffentliche Info von Anna Örneskans über die Hundeschule. Beobachtung vor Ort dass Speissberger übernommen hat.

[6]Telefonat mit Ruth Zeitlinger Geb. Winkler, Tochter von Roland und Elfriede. 

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