
Eisenbahner Kurheim, Hausbewohner Schwab, Rauchfangkehrer Wigele und Malerei Koschat.
Das ehemalige Kurheim der Österreichischen Bundesbahnen-Krankenkasse
Das Haus wurde laut Angaben von Anton Lafenthaler auf seiner Webseite www-gastein-im-bild.info um 1924 gebaut . Dort sehen Sie das Foto
Das Gebäude ist heute ein Wohnhaus mit Mietwohnungen und wird oft noch als „Ledigen-heim“ bezeichnet. Die Geschichte dazu, warum das so ist, kann mir vielleicht noch jemand erzählen, dann kann ich sie idemnächst hier ergänzen. [1]
Hausbewohner Adolf Schwab
Hier in der Böcksteiner Straße 11, wie sie früher genannt wurde, lebte Adolf Schwabl (*1903 †1975). Er war schon vor und nach dem Krieg als Schlosser beim E-Werk Bad Gastein beschäftigt, bis zu seiner Pensionierung in den 1960er Jahren. Obwohl er nicht selbstständig war, konnten wir interessante Informationen von ihm erhalten. Adolf war mit Elisabeth Waggerl, der Schwester des Schriftstellers Karl Heinrich Waggerl, verheiratet.
Mehr über Karl Heinrich Waggerl, geboren im Haus Bergfriede auf der jetzige Adresse Karl Heinrich Waggerlstrasse 23 finden Sie im Internet. Mehr zu seinem Geburtshaus auf Adresse Karl Heinrich Waggerl Straße 23
Adrian Benedetto erinnert sich: „Mein Großvater Adolf Schwabl verbrachte seine Kindheit und Jugend nicht in Bad Gastein, sondern wuchs bei einer Pflegemutter in Saalfelden auf. Als junger Mann kam er nach Bad Gastein, um Arbeit zu finden. Dort heiratete er Elisabeth Waggerl und sie lebten in der Böcksteiner Straße 11A, wo er bis zu seinem Tod wohnte. Im Feber 1928 bekam die Familie Schwabl eine Tochter namens Hildegard. Adrian erzählt weiter:" Meine Mutter Hildegard wuchs dort auf und arbeitete von 1948 bis 1951 als Sprechstundenhilfe bei Dr. Heinrich Thaler. Im Jahr 1952 lernte sie ihren Mann Hermann Benedetto kennen. Zusammen kauften sie ein Haus in Schwaz im Tirol, neben dem Inn, heirateten und bekamen einen Sohn namens Norbert. Leider verstarb Norbert im Alter von wenigen Monaten, 1957 brachte sie dann mich (Adrian) zur Welt. Mein Großvater Adolf Schwabl war beim E-Werk in Bad Gastein beschäftigt. Sein Hobby war die Fotografie, er entwickelte seine Bilder selbst. Doch Fotografie war nicht sein einziges Hobby, seine größte Leidenschaft galt der Jagd. Während des Krieges jagte er auch illegal, was ihn unter dem Nazi-Regime in große Gefahr brachte. Meine Mutter erzählte, dass eines Tages die Gestapo (Geheime Staatspolizei) auftauchte, zwei Männer in Ledermänteln, wie man es aus Filmen kennt. Sie sahen in den Kochtopf meiner Großmutter und fragten: „Was kochen Sie da, Wildbret?“ Als sie jedoch bemerkten, dass sich nur armselige Fleischstückchen, die mit Lebensmittelmarken erworben wurden, im Kochtopf befanden, zogen sie unverrichteter Dinge ab. Mein Großvater wurde möglicherweise von jemandem denunziert, aber zum Glück blieben Folgen aus. Er musste auch nicht in den Krieg ziehen, irgendwie schaffte er es bei der Musterung, den Stabsärzten vorzuspielen, dass er schlecht sehen und hören konnte. Wie er das geschafft hat, ist mir unerklärlich.“ Adrian Benedetto erzählt weiter: "Mein Großvater war in seinem Fach als Maschinenschlosser außerordentlich talentiert. Wenn in seiner Firma eine komplizierte Arbeit anfiel, dann zogen sie ihn dafür heran. Einer seiner Freunde erzählte mir einmal, dass in Bad Gastein die Gondelbahn ausfiel, weil ein Teil zu Bruch ging, dass in der damaligen Zeit nicht ersetzt werden konnte. Adolf Schwabl hat dann in mühevoller Handarbeit das Teil nachgebaut, und die Gondelbahn konnte wieder in Betrieb gehen." [2]
Rauchfangkehrer Wigele
In einem Teil der ehemaligen Betriebsküche des ehemaligen Kurheims der Österreichischen Bundes-bahnen-Krankenkasse hatte die Rauchfangkehrerfirma Wigele ihren Standort zwischen 1971 und 2003. Danach übersiedelte sie in die Schareckstraße 37. Mehr über die Firma Wigele finden Sie an den Adressen Schareckstraße 37 und Palfnerstraße 2. [3]
Malererei Koschat
Malermeister Franz Alfred "Fredl" Koschat (*1945 †2017) hatte ebenfalls hier seinen Standort. Als gebürtiger Kärntner aus Stall im Mölltal kam Fredl im Alter von 14 Jahren im Jahr 1959 als Malerlehrling nach Bad Gastein. Sein Ausbildungsbetrieb war die Malerei Max Höhenwarter. Fredl machte sich 1974 als Malermeister selbstständig. Er war Maler, Lackierer und Tapezierer. Er bildete auch Lehrlinge aus und hatte mehrere Angestellte, erzählt seine Frau Hilde, ebenfalls gebürtig aus dem Gailtal in Kärnten, die er 1963 geheiratet hatte. Sie hatten sich kennengelernt, als sie Serviererin im Hotel Münchnerhof war. Das Hotel lag vis-à-vis seiner Werkstatt, weshalb sie sich oft über den Weg liefen. Im Jahr 1999 ging Fredl Koschat in Pension und seine Firma wurde geschlossen.[4]
Fußnoten/Quellen:
[1] Baujahr laut Info von Anton Lafenthaler seiner Seite https://www.gastein-im-bild.info/doku/dbild/dvstb3p.html.
[2] Schriftverkehr per E-Mail im Juli- Aug.2021 mit Adrian Benedetto. Er hat die Fotos zu verügung gestellt
[3] Erzählung von Renate und Alwin Wigele 2021
[4] Ingrid Gruber hat mit ihre Nachbarin Hilde Koschat im April 2024 geredet. Hilde hat auch die Fotos zu Verfügung gestellt.






