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Karl Heinrich Waggerlstrasse /Ecke Poserstraße 10

GeWa, Konsum, Fisch - und Wildverkauf Leimböck, Zahnarzt Dr. Salbrechter, Ordination Dr. Schmidt

GeWa

Das Haus würde in der 1930er Jahren gebaut und wahrscheinlich war schon vor und währen der Krieg hier im Haus der Einkaufsladen GeWa.  In Österreich haben sich Lebensmittelgeschäfte wie die GeWa nach dem Zweiten Weltkrieg mehr und mehr entwickelt, als die Lebensmittelversorgung stark rationiert und der Handel stark reguliert war. Die GeWa gehörte zu den kleineren Ketten, die damals das Bedürfnis nach Grundversorgung in einer Zeit des Aufbaus deckten, bevor die Selbstbedienungs-Supermärkte in den 1950er Jahren aufkamen. "In der GeWa konnten man so ziemlich alles kaufen, Lebensmittel, Feinkost, Textilien sowie Haushaltsartikeln" erzählt Roderich Maschinda.  „ich habe mir bei der GeWa im Jahr 1949 von meinem erstes verdientes Geld als Liftboy im Hotel Bellevue, einen Anzug gekauft![1] "Im vorderen Teil war mehr Textilien und ganz hinten gab es dann die Lebensmitteln über der Theke zu kaufen" erzählte mir Dagmar Maschinda. Filialleiter in den 1940er Jahren ev. auch früher war Alois Wimmer (*1899†1952) und nach ihm Helmut Cibulka. Die 1950er und 1960er Jahre waren geprägt von zunehmender Marktkonzentration und dem Aufstieg großer Ketten wie Konsum, die den Markt allmählich dominierten. In den folgenden Jahrzehnten traten dann viele der kleineren Anbieter wie GeWa in den Hintergrund, da sie dem wachsenden Wettbewerb der großen Einzelhandelsketten nicht standhalten konnten. Irgendwann in den 1950/1960er Jahren würde auch hier GeWa zu Konsum. Auf ein Inserat ist GeWah mit H zu sehen sonst fand ich meistens nur ohne H und auch Alois Schernthaner sagt die Name war ohne H. [2] 

 

Konsum nach dem Krieg.

Konsum gab es schon vor dem Zweiten Weltkrieg in Anlauftal und Böckstein. Hier in Bad Gastein zuerst in den 1950er Jahren. "Der Wiederaufbau der Konsumgenossenschaften nach dem Zweiten Weltkrieg ging schnell vonstatten. Bereits 1946 wurden der Konsumverband, der Zentralverband der Österreichischen Konsumgenossenschaften und die Zentralkasse der Konsumgenossenschaften gegründet, die die Rückstellung des genossenschaftlichen Vermögens zum Zweck hatte. Insgesamt entstanden in Österreich zunächst 28 Großkonsumgenossenschaften, in denen 95 Prozent aller Konsumgenossenschaften vereinigt waren. In der Nachkriegskonjunktur gelang es einzelnen Regionalgenossenschaften, sich als Innovatoren im Einzelhandel (etwa bei der Einführung der Selbstbedienung) erfolgreich zu positionieren, Konsum war ein Geschäftsorganisation mit Mitgliedern. Der Hauptgrund für den Beitritt zu einer Konsumgenossenschaft war die Rückvergütung auf alles was würde eingekauft. Alle Belege würden aufgehoben und eingereicht. Die genossenschaftliche Rückvergütung stellte speziell in den ersten Jahrzehnten nach ihrer Gründung eine besondere Attraktion für die Mitgliedergewinnung und Mitgliederbindung der Konsumgenossenschaften dar. Aufgrund der Verschärfung des Wettbewerbs im Einzelhandel und dem entsprechenden Druck auf die Tagespreise erwiesen sich allerdings Rückvergütungsleistungen in zunehmendem Maße als problematisch. In höheren Einkommens- und Sozialschichten wurde die Qualität der Waren vielfach als negativ bewertet. Anderen Handelsketten galten als fortschrittlicher. Die Mitgliederstruktur war völlig überaltert. Unter den Mitgliedern waren fast doppelt so viele über 70-Jährige wie unter 30-Jährige. Zwischen 1971 und 1977 wurden kleinere und unrentable Läden geschlossen. Gleichzeitig stieg die Anzahl größerer Selbstbedienungsläden. Bis ins Jahr 1989 steigerte sich der Verlust des Konsums bereits auf 1,3 Milliarden Schilling. Dann erfolgte viel verschiedene Fussionen usw. Sie können darüber im Internet nachlesen. Für Konsum war es Endgültig aus als der Ausgleich am 31. März 1995 beim Handelsgericht Wien angemeldet wurde." [3]


Konsum Bad Gastein

Erfolgreicher lief das Geschäft Konsum Bad Gastein, Filiale Nr 33 bei Konsumgenossenschaft. In den 1960er Jahren war die Filiale Bad Gastein die größte und die umsatzstärkste in Salzburg Land erzählt Alois Schernthaner Filialleiter zwischen 1966 – 1972. Alois Schernthaner (*1941) kommt aus Uttendorfer (Pinzgau) wo er als Lehrling bei Konsum anfing und würde auf verschiedene Plätze Filialeiter z.B. bei Konsum in Kaprun, Taxenbach, Saalfelden und hier in Bad Gastein dazu er war Urlaubsvertreter in Thalgau. Er fuhr auch Lastauto, da er ein Führerschein Klasse C innehatte bei der Übersiedlung von den alten in den neue Filiale. Alois wollte etwas anders erleben und beschloss eine Weile zur See zu gehen um auf einem Schiff zu arbeiten. Von seinem Chef hatte er die Zusage; dass er in gleiche Position zurückkommen dürfte wenn er am See fertig war. Wenn er zurück kam, erzählt ihm sein jedoch der Chef dass er eine anderen Aufgabe für ihm vorgesehen hatte und zwar als Konsumfilialleiter in Bad Gastein! Schernthaner äusserte sein Skepsis, da er vorher noch nie so eine grosse Filiale mit 15 Mitarbeite geführt hatte. Der Herr Kommerzialrat zum Chef sah es jedoch anders, dazu meinte er dass der bisherige Leiter Helmut Taferner alles gut eingearbeitet hatte nun neue Pläne für Wien hatte, wo er der erste grosse Supermarktes übernehmen sollte, deshalb wäre Schernthaner die Beste Wahl. Schernthaner dürfte somit ein zweites Mal von Helmut übernehmen. Das erste Mal in Kaprun und jetzt 1966 hier. Helmut Taferner(*1934) hatte in genau diese Filiale in Bad Gastein einmal als Lehrling beim Herr Wimmer angefangen. Schernthaner erzählt: "Helmut war unheimlich Ehrgeizig. Nach der Lehre war er unter anderen in Bischofshofen, Salzburg, Kaprun, Hallein und klar hier in Bad Gastein. Taferner war meisten nur zwei Jahren in jeweilige Filiale. Er hat die Umsätze in der höhe gepuscht, Er war wie gesagt überdurchschnittlich Fleissig, er hat weit über die normale Arbeitszeiten gearbeitete und hat gewusst wie er mit seine charmante Persönlichkeit die Arbeit mit der Kunden umzugehen um eine Filiale gewinnbringend zu führen. Deshalb war es recht undankbar hinter Helmut Taferner eine Filiale zu übernehmen, da klar alles nach seinem Massstab gemessen würde". Helmut seine Frau Birgitte „Guggi“ (*1942†2022) genannt hat bei Schernthaner in Konsum Kaprun ihre Lehrer beendet. Helmut Taferner war auch durch die Jahre bei mehreren Konsums Filialleiter z.B. Kaprun, Bischofshofen, Bad Gastein, Hallein, Salzburg und in Wien. Guggi arbietet in Wien als Bankangestellte Helmut als Leiter der Konsum Möble Häuser Österreichweit..

Als Konsum im Konkurs ging 1995, blieb sowohl Helmut wie Guggi Taferner in Wien Zuerst als Guggi in Pension ging zogen die nach Bad Gastein wieder zurück.


Konsum-Filialeiter Alois Schernthaner ging 1972 zur Oberbank Bischofshofen, ein Jahr zur Ausbildung dann war er im Haus Austria in Bad Gastein, wo er 9 Jahre tätig war, bis er 1982 nach der Eröffnung, zum Oberbank Bad Hofgastein wechselte. Durch sein Kaufmännische Erfahrung und das ausgezeichnete Ausbildungssystem bei Oberbank war Alois Schernthaner sehr erfolgreich. Alois hat die Baumeistertochter Inge Stocker(*1940) geheiratet und sie haben zwei Töchtern. Frau Schernthaner kenne viele vom Palmersgeschäft im Haus Schubert und im Haus Lotringen. Mehr dazu auf die jeweilige Textabschnitten/Adresse. Mehr zu Oberbank und Schernthaner seiner Zeit dort finden Sie im Textabschnitt zum Haus Austria. [4] 


Die Treppe, die noch beim Haus zu sehen ist und uns noch ein Hinweiss zeigt, wo der Eingang zum Konsum war würde laut Bauakte 1970 erneuert.


Ab 1972 war Herr Schieckl Konsumleiter. Das Konsumgeschäft übersiedelte 1978 vom Kurhaus Leimböck in einem Neugebaute Gebäude auf der Böcksteiner Bundesstraße 1, wo zum Teil früher Villa Annemarie stand. Siehe dementsprechende Textabschnitt.


An der Ecke Böcksteiner Bundesstraße/Hauptschulstraße 2 (heutige Firma Kreuzthaler) eröffnete in den 1970er Jahren Konsum Textil, ein Bekleidungsgeschäft.[5] Mehr Text dazu finden Sie klar auf dementsprechende Adresse/Textabschnitt


Wild-, Fisch- und Geflügelverkauf Leimböck

Die Grundlage des Geschäfts der Familie Leimböck war die Fischerei. Zur Zeit des Baus der Tauernbahn, zu Beginn des 20. Jahrhunderts, ließ sich Felix Leimböck (*1865 †1948) in Bad Gastein nieder. Er stammte aus Wagrain und war Fischer und Jäger. Bereits damals waren Fisch und Wild beliebte Spezialitäten auf dem Speiseplan der Gasteiner Einwohner, was dazu führte, dass das Geschäft gut florierte. Felix Leimböck besaß zahlreiche Fischereirechte im ganzen Land.

Das Haus „Fischerwirt“ wurde 1923 an der heutigen Karl-Heinrich-Waggerl-Straße 32 errichtet und war das erste Wohnhaus der Familie Leimböck. Felix hatte neun Kinder. Mit Hilfe ihrer Nachkommen berichten wir über drei von ihnen: Maria, Kaspar und Friedrich. Mehr zu Friedrich Leimböck finden Sie auf der Schareckstraße 17.

Mehr über Maria auf der Karl Heinrich Waggerlstraße 34 / Fischerwirt.


Familienzweig Kaspar mit Sohn Ernst Leimböck

Kaspar Leimböck (*1897 †1978) baute 1935 neben dem „Fischerwirt“, wo er aufgewachsen war und wo seine Eltern und seine acht Geschwister gewohnt hatten, ein Wohn- und Geschäftshaus an der Ecke Karl-Heinrich-Waggerl-Straße/Poserstraße 10 – das „Kurhaus Leimböck“.

Kaspar war mit Julia (*1900 †1979) verheiratet, und sie hatten vier Kinder: Ernst, Willi (der leider im Krieg verstarb) sowie die Töchter Julia, genannt Lia, und Erna. Die Familie Kaspar und Julia Leimböck betrieb das Kurhaus bis in die 1960er Jahre.

Es wird vermutet, dass Kaspar während und nach dem Krieg ein Geschäftslokal im Haus betrieb, in dem er mit Wild und Fisch handelte. In den Bauakten fand ich heraus, dass Kaspar Leimböcks Fisch-, Geflügel- und Wildwarenhandel 1951 seine Geschäftsräume auf der Terrasse erneuerte und mit besseren Kühlgeräten ausstattete. Zur Verdeutlichung: Hier ist der Bereich gemeint, in dem sich heute eine Ordination befindet, nicht die Räume, in denen früher Gewa/Konsum ihre Geschäfte hatten.

Als Kaspar älter wurde und sich aus dem Geschäftsleben zurückzog, verpachteten er und Julia das Kurhaus an die Familie Stefanitsch. Kaspars ältester Sohn, Ernst (*1931 †1987), übernahm das Wild- und Fischgeschäft. Seine Geschäftsadresse war jedoch in der Paracelsusstraße 1, wo er im Erdgeschoss einen Großhandel mit Rampenverkauf für Fisch und Wild betrieb. Ernst und seine Frau Christina, geborene Schett, lebten mit ihren drei Kindern ebenfalls dort. Es wurde mir erzählt, dass Christina zunächst im Büro bei ihm arbeitete und daraus eine Liebesbeziehung entstand. Nachdem die Familie Stefanitsch in den 1970er Jahren nicht mehr Pächter war, übernahm Ernst mit seiner Frau das Kurhaus in Eigenregie. Christinas Mutter, Lotte Schett (*1923 †2023), zog als „gute Seele“ des Hauses ein. Sie wohnte im Dachgeschoss des Kurhauses und war immer vor Ort, falls Hilfe benötigt wurde, während Ernst und Christina weiterhin in der Paracelsusstraße 1 lebten. Dort lief stets der Großhandel für Fische, Wild und Geflügel. „Im Herbst, kann ich mich erinnern, waren mehreren Metzger mit der Verarbeitung von Wildfleisch beschäftigt,“ erzählt sein Sohn Ernst (*1971). Wie sein Vater Kaspar betrieb Ernst auch eine eigene Fischzucht in einem Teich in Badbruck. Die Einfahrt dazu befindet sich kurz nach der sogenannten Czerny-Kurve/Leimböck-Kurve auf der Gasteiner Bundesstraße, je nachdem, wer als Besitzer bekannt war. Die Kurve wurde entsprechend unterschiedlich von den Einheimischen benannt, also kurz vor der Bushaltestelle Bertahof.


Wastl Haus

Ernst wurde beauftragt, für seine Eltern Kaspar und Julia ein Austragshaus zu bauen. Ein Austragshaus, auch Ausziehhaus oder Abnahmehaus genannt, ist ein kleineres Gebäude auf einer Hofstätte, das für die ältere Generation errichtet wurde und den Altbauern – in diesem Fall Kaspar – nach der Hofübergabe (hier Kurhaus und Geschäft) als Wohnstätte dient. Das kleine Haus neben dem Kurhaus Leimböck, in Richtung der Ache, wurde später „Wastl-Haus“ genannt. Dieses Haus erbte später Ernsts Schwester Lia (Julia), die mit einem Tischlermeister namens Wastl aus Tirol verheiratet war, wodurch der Name entstand. Heute gehört das kleine Haus zur Pension Gabriele der Familie Enzinger und wird als Landhaus Gabriele geführt.


Politiker Leimböck

Ernst Leimböck (*1931 †1987) war nicht nur Kaufmann, Jäger und Fischer, sondern auch Politiker für die ÖVP. Nach der Volksschule besuchte er die Hauptschule sowie die Handelsschule. 1964 wurde er Gemeinderat in Bad Gastein und vertrat die ÖVP vom 7. Juni 1966 bis zum 4. Oktober 1968 im Nationalrat.[7]


Pension Gabriele

Das Kurhaus wird im Dezember 1987 an Johann Inhöger verkauft. Auf der Homepage vom Pension Gabiele, wie das Haus jetzt heisst, stand bis 1992 leer, [7]  1992 übernahm die 21-jährige Gabriele, Tochter von Johann Inhöger, gemeinsam mit ihrem Mann Georg Enzinger, einem damals 23-jährigen Postbeamten, das Haus, welches sie bis heute (2024) erfolgreich betreiben. Auf der Homepage des Hauses ist zu lesen, dass sie im November 2007 das Nachbarhaus neben der Ache dazu kauften. Das ehemalige „Haus Wastl“ in der Karl-Heinrich-Waggerl-Straße 25 wurde mit Ferienwohnungen ausgestattet und trägt nun den Namen „Landhaus Gabriele“.[8] 


Zahnarzt Dr. Salbrechter

1978, nach der Schließung des Konsum-Geschäfts, wurde das Lokal zu einer Wohnung umgebaut.

Im November 1985 eröffnete der Zahnarzt Dr. Erwin Salbrechter dort seine Praxis und baute das Lokal zu einer Ordination um. Er praktizierte dort bis April 2018 [9] 


Ordination Dr. Schmidt

Seit 2019 befindet sich hier die Ordination der Allgemeinärztin Dr. Christine Schmidt. Auf der Homepage von Dr. Schmidt finden Sie Fotos vom Team und der Ordination sowie Informationen über ihre Leistungen als Ärztin. Sie ist außerdem im Gasteiner Heilstollen tätig.[10]  


Fußnoten/Quellen:

[1] Schriftverkehr Feb – Mai 2021 mit Roderisch Maschinda

[2] Persönliche Gespräch Jan 2021 mit Dagmar Maschinda, Helmut und Guggi Taferner im Sommer 2021  sowie [3] Hersbt 2024 mit Anton und Inge Schernthaner

[4] https://de.wikipedia.org/wiki/Konsum_Österreich

[5] Betreff Konsum Textil hat mir Anna Arnsteiner und Rudi Mitterhofer erzählt.

[6] Einsicht in der Bauakte Poserstrße 10 bei der Gemeinde. (Danke an Fam Enzinger für die Erlaubnis)

[7] Erzählungen von Einheimischen wie Hagenmüller, Schernthaner, Gespräch mit Annelise Leimböck, Frieda Werbnigg geb Leimböck Schriftverkehr und Teelfon mit Ernst und Martina Leimböck im März 2021 Nov 2024. Daten von Grabsteine dazu  https://de.wikipedia.org/wiki/Ernst_Leimb%C3%B6ck sowie https://www.parlament.gv.at/person/838

[8]Text von Homepage https://pension-gabriele.at/familie-2/ aufgerufen in Feb. 2021. 

[9] Gabriele Enzinger hat die Fotos zu verfügung stellte

[10]. https://www.dr-christineschmidt.com/

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