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Karl Heinrich Waggerlstraße 30

Kreditanstalthaus, Tierarzt Meisinger, Frisör Grober, Tabak und Schreibwaren Schwarz, Wohn- und Ferienhaus der Oberbank

Haus der Kreditgenossenschaft - Erholungsheim 

Das Haus auf der jetzige Karl Heinrich Waggerlstraße 30 würde wahrscheinlich von Bank und Kreditgenossenschaft Oberbank Ende der 1920er Jahren gebaut. Das Gebäude diente unter anderem als Erholungsheim. Hier konnten Angestellte der Oberbank aus ganz Österreich ihre Ferien verbringen. Die Oberbank ist bekannt für eines der ältesten Mitarbeiterbeteiligungsmodelle Österreichs sowie besondere Sozialleistungen für ihre Mitarbeiter. Um ihren Angestellten attraktive Ferienangebote zu bieten und Urlaube finanziell leichter zu machen, stellte die Oberbank ihren Mitarbeitern in ausgewählten Regionen Österreichs günstige Ferien-Apartments zur Verfügung. Sowie das Haus der Kreditgenossenschaft hier in Bad Gastein


Im selben Haus wohnten der Oberbank-Direktor Josef Girlinger noch bis in den 1950er Jahren dann Bankdirektor Kaiser und ab den 1963 Direktor Herbert Winter. Andere Bewohner durch der Jahren waren unter anderen Familie Dr. Fischbach, Messitz und Bergner . Herr Berger war ab den 1960er Jahren der Hausmeister.

Herbert Winter wuchs im Großraum Linz auf, wo er auch maturierte. Er kam früh zur Oberbank und lernte dort verschiedene Abteilungen kennen, bevor er nach Gastein kam. Sehr interessiert hat er sich für die Welt des Aktienmarkts, wo er auch extra nach Wien fuhr, um von Experten zu lernen. Er bekam in den 1960er Jahren das Angebot, Bankdirektor in Bad Gastein zu werden, welches er 1963 annahm. Mit seiner Frau Gerlinde, einer gebürtigen Oberösterreicherin, zog er nach Bad Gastein. Die Familie Winter wohnten hier im Haus auf Karl Heinrich Waggerlstraße 30. Durch die Nähe zum Tennisplatz auf der Poserplatz, erzählt Herr Winter war er und seine Frau oft die ersten in der Früh, schon um 06:00 auf der Tennisplatz, zu spielen. Herr Winter leitete die Oberbank im Haus Austria und später dazu die Filiale auf der Schareckstraße 6. 1995 ging er in Pension und Gottfried Schafflinger übernahm. 

2019 bekam Herbert Winter die Goldene Medaille für Verdienste um die Republik für seine langjährige Tätigkeit bei der Bank. Herbert Winter war in der FPÖ politisch aktiv und saß circa 10 Jahre im Gemeinderat Bad Gastein. Nach seiner Pensionierung leitete er den FPÖ Seniorenbund Bad Gastein bis 2023, als der Seniorenbund aufgelöst wurde.


Das Haus Nr 30 dürfte vor einige Jahren, wenn ich es richtig verstanden haben Eigentümer gewechselt haben. Im Herbst 2023 wurde der Vorplatz des Hauses umgestaltet. Die Rasenflächen mit Zaun wurden entfernt und der Vorplatz stattdessen asphaltiert, um mehr Parkplätze für die Hausgäste zur Verfügung zu stellen. [1]


Tierarzt Arnuld Meisinger

Es gab vor dem Krieg 1937/38 der Tierarzt Arnuld Meisinger auf der damalige Böcksteiner Strasse im Haus der Kreditgenossenschaft . Laut Herold Telefonbuch hatte er Ordinationzweiten zwischen 11 -13 Uhr.[2]


Frisör Grober

Mit Eingang ganz links, in der Tür Richtung Felsen, erzählte mir Dagmar Maschinda (*1934†2023) war Friseur Friedrich Grober, auf der ehemalige Adresse Böcksteiner Straße 236. Laut Register war er bis ca. 1952 tätig.[3]

 

Tabak Trafik Galanteriewaren Schwarz.

Michael Schwarz (*1868 †1947) betrieb ab den 1930er Jahren ein Tabak- und Schreibwarengeschäft in der Karl-Heinrich-Waggerl-Straße 30. Er kam aus Golling. Als Kind war er eher von ruhiger Natur und ein schmächtiges Kind. Er wuchs in einer Pflegefamilie im Pinzgau auf. Der Pflegevater war Schmied, aber für diesen Beruf war Michael eher nicht geeignet. Deshalb wurde er nach Zell am See geschickt, um dort eine Ausbildung zum Kellner in einem Hotel zu machen. Er erzählte, dass er oft bis spät in die Nacht Silber putzen musste. Michael war jedoch sehr intelligent, lernte schnell und sprach bald mehrere Sprachen fließend. Neben Deutsch sprach er auch Englisch, Französisch, Italienisch und Arabisch und konnte nach seiner Ausbildung in vielen Ländern und Hotels arbeiten, z.B. als Oberkellner im Hotel Sacher in Wien, im Sheraton Hotel in Kairo, in London und an der Riviera. In der Gastronomie lernten sich vermutlich Michael und seine Frau Elisabeth „Elise“ (*1880 †1953) kennen. Elisabeth durfte, wie mir ihre gleichnamige Enkelin schrieb, eine Nähschule besuchen, arbeitete jedoch später als Köchin.

Nach ihrer Heirat führten Michael und Elisabeth gemeinsam Gaststätten in Vorarlberg und Tirol. In den 1920er Jahren planten sie, nach Salzburg zu ziehen, um dort ebenfalls ein Gasthaus zu betreiben. Die Weltwirtschaftskrise und die massive Inflation Ende der 1920er Jahre machten jedoch ihre Ersparnisse zunichte. Durch die Geldentwertung konnten sie sich für das Geld, das sie für ein Hotel gespart hatten, stattdessen nur noch einen Laib Brot kaufen. Anstatt ein Wirtshaus zu pachten, musste Michael Ende der 1920er Jahre wieder als Angestellter arbeiten, um seine Familie zu versorgen. Deshalb zog er nach Bad Gastein, wo er im Hotel Kaiserhof als Kellner arbeitete. Dort lernte er jemanden von der Tabakregie kennen und konnte so eine Tabaklizenz erwerben, erzählt sein Enkel Kurt weiter. Die Firma „Trafik Michael Schwarz“ wurde um 1930 gegründet, und sein erster Tabakkiosk befand sich in der Nähe der Nikolauskirche (heutige Bismarckstraße/Badbergstraße), doch dieser brannte ab. Wahrscheinlich wurde er nicht wieder aufgebaut, vermutet Enkel Kurt, denn zu dieser Zeit hatte sich Herr Schwarz bereits als Geschäftsmann etabliert und konnte ein Geschäftslokal im Haus der Kreditanstalt Oberbank in der heutigen Karl-Heinrich-Waggerl-Straße 30 mieten. Dort, im Erdgeschoss des kleinen Geschäfts, verkaufte Herr Schwarz laut Register Tabak, Reiseandenken, Ansichtskarten, Schreibwaren und kleine Spielwaren.

Er hatte auch die Dachgeschosswohnung im Haus gemietet, sodass er seine Frau Elisabeth und vier der fünf Kinder nach Gastein holen konnte. Eine Tochter blieb bei den Großeltern in Amstetten. Das jüngste Kind, Augustine „Gustl“ (*1922 †2024), übernahm später das Geschäft. Die sechsköpfige Familie Schwarz lebte auf dem Dachboden des Hauses. Es war eine sehr einfache Unterkunft: Die Küche befand sich im Erdgeschoss, die Wohnräume in der Mansarde.


Tochter Augustine Schwarz verbrachte ihre Schulzeit bei den Franziskanerschwestern in Salzburg. Diese katholische Ausbildung prägte sie tief, und sie blieb ihr Leben lang mit ihren Mitschülerinnen in Kontakt. Jedes Jahr fuhr sie nach Salzburg, um sie zu besuchen. Ursprünglich wollte sie Kulturwissenschaften studieren, doch ihre Eltern bestanden darauf, dass sie das Geschäft übernahm. In der katholischen Kirche von Bad Gastein lernte sie bei einem Gottesdienst ihren späteren Mann Josef Lenglachner (*1913 †2004) kennen, der dort auf einer Wanderreise war. Josef, ein gelernter Elektriker aus Braunau, war von Bad Gastein angetan – und wahrscheinlich auch von Fräulein Schwarz. Als er eine Stellenanzeige sah, in der das E-Werk in Bad Gastein Personal suchte, bewarb er sich sofort und zog nach Bad Gastein, um dort zu arbeiten. So konnte der junge Josef ab und zu im Geschäft bei Fräulein Schwarz vorbeischauen und nach möglichen Reparaturarbeiten fragen, um mit ihr ins Gespräch zu kommen.

Nach dem Tod von Michael Schwarz führte seine Frau Elisabeth das Geschäft als Witwenbetrieb weiter, bis es nach dem Krieg in die Hände von Augustine und Josef überging, die mittlerweile verheiratet waren.

Das Paar bekam drei Kinder: zwei Töchter und einen Sohn. Zunächst lebten sie im Dachgeschoss des Gletschermühlenhauses, während das Tabak- und Spielwarengeschäft im Erdgeschoss blieb. Später, in den 1960er Jahren, zogen sie in das neugebaute Wohn- und Geschäftshaus in der Stubnerkogelstraße 50.

Kurt erinnert sich, dass während der Weltmeisterschaft 1958 etwa 60.000 Gäste in Bad Gastein waren. „Damals befand sich neben dem Geschäft im Haus Nr. 30 ein Verkaufsstand, an dem Suppen aus den ganz neu auf den Markt gekommenen Knorr-Suppenwürfeln angeboten wurden.“ Kurt und seine Geschwister, erzählt er weiter, kauften dort fast täglich Suppenportionen und genossen diese sehr. Dieser Verkaufskiosk, so Kurt, stand neben ihrem Haus, und der Händler, ein Freund der Familie, hatte seinen Verkaufsstand weiter in Richtung Gletschermühle/Poserstraße.

In den 1950er Jahren bauten Josef und Augustine im Haus Nr. 30 einen zusätzlichen Lagerraum aus, um eine Spielwarenausstellung, besonders für Lego, zu präsentieren. Gustel und Josef fuhren extra zur Nürnberger Spielzeugmesse, um sich über das neue Produkt Lego zu informieren, das sich gut verkaufte.

In den 1960er Jahren beschlossen sie, ein neues Wohn- und Geschäftshaus in der Stubnerkogelstraße 50 zu bauen. Die Fenster im Haus Nr. 30 dienten lange als Schaufenster für die Firma Lenglachner, auch nachdem sie in das neue Haus gezogen waren.

Mehr über die Familie Lenglachner erfahren Sie im Textabschnitt Stubnerkogelstraße 50.

Fußnoten/Quellen:

[1] Informationen zur Oberbank habe ich aufgerufen, da ich wusste, dass es sich um ein Oberbankhaus handelte. Dabei stieß ich auf die Adresse der Kreditgenossenschaft. Diese Erkenntnis wurde durch persönliche Beobachtungen vor Ort bestätigt. Den Namen Gerlingert fand ich im Register, und bei einem persönlichen Gespräch mit Herbert und Gerlinde Winter erzählten sie mir mehr über das Haus und die Oberbank. Zudem führte ich ein kurzes Gespräch mit der ehemaligen Hausmeisterin, Frau Berger. Auch Gespräche mit Kurt Lenglachner und ein kurzer Schriftverkehr mit Elisabeth Hager über ihre Eltern und Großeltern Schwarz trugen zu meinen Informationen bei.

[2] Tierarzt Eintrag  https://www.findbuch.at/files/content/adressbuecher/1937_bsoe_sbg_tb/6__Uebrige_Fernsprechnetze.pdf

[3] Frisör Zentralblatt 1952 Eintr. Handelsregister Österreich, Wo der Salon genau war, hat Dagmar Maschinda erzählt 11. März 2022. Wann aus war stand als Eintrag im Zentralblatt 1952 www.zedhia.at

[4] Allgemein bekannt bei der Einheimischen. Persönliches Gespräch mit Kurt Lenglachner im Herbst 2024 sowie ein kurzer Schriftverkehr mit Elisabeth Hager über ihre Eltern und Großeltern Schwarz. Diverse Einträge über die Tätigkeiten der Firma Schwarz, z. B. im Herold-Telefonbuch 1938, ein Inserat im Gasteiner Badeblatt von 1949, Einträge im Compass 1946/47 und 1953 zur Industrie in Österreich sowie eine firmenkundliche Beschreibung im Portal www.zedhia.at. Ein weiterer Eintrag im Compass von 1964 sowie im Compass 1970 über den Handel in Österreich mit einer firmenkundlichen Beschreibung.

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