
Wächterhaus, Rauchfangkehrer Wiedermann, Taxi Schneeberger
Palfnerstraße 2
Wächterhaus, Rauchfangkehrer, Taxiunternehmen
Das Haus wurde gemäß den Bauunterlagen im Bauakt zu Beginn des 20. Jahrhunderts, gleichzeitig mit dem Bau der Eisenbahnstrecke Schwarzach - Böckstein, von der Firma Comini als eine Art Wächterhaus errichtet. Der Rauchfangkehrer Wiedermann übernahm das Haus irgendwann in den 1910er oder 1920er Jahren. Im Jahr 1922 beantragte er bei der Gemeinde Bad Gastein gemäß den Bauunterlagen erstmals eine Erweiterung des Hauses. Die frühere Adresse lautete Böcksteiner Straße 115.
Rauchfangkehrer Wiedermann und Emmerich Wigele
Karl und Maria Wiedermann betrieben an diesem Standort eine Firma als Rauchfangkehrer. Nach Karls Tod führte seine Frau Maria den Betrieb als Witwe weiter, und Emmerich Wigele Senior wurde der gewerberechtliche Geschäftsführer. Emmerich Wigele Senior (*1912 †1985) kam nach dem Krieg nach Gastein, um den Witwenbetrieb Kaminkehrer Wiedermann als Geschäftsführer zu leiten. 1971 konnte er den Betrieb selbst übernehmen. Wie damals üblich, musste er eine Leibrente an Frau Wiedermann bezahlen. Diese war indexgebunden und wurde im Laufe der Jahre oft zu einer finanziellen Belastung für den Kaminkehrmeister, erzählt sein Enkel Alwin. Sowohl der Großvater als auch sein Vater, Emmerich Junior, mussten noch einige Zeit Leibrente an Witwe Maria Wiedermann bezahlen.
Während Emmerich Senior Geschäftsführer bei Wiedermann war, wohnte er in der Karl-Heinrich-Waggerl-Straße und ging jeden Tag zur Palfnerstraße 2, wo der Betrieb war. Mit der Eröffnung seiner eigenen Rauchfangkehrfirma im Jahr 1971 wurden die Kellerräume im Wohnblock an der Böcksteiner Bundesstraße 11 zum neuen Standort.
Pepo und Toni Wiedermann Karl und Maria bekamen einige Kinder, wahrscheinlich drei oder vier. Die Söhne Toni und Bepo waren technisch begabt und entwickelten einen speziellen Skibindungstyp durch ihren Erfindungsgeist. Jedoch erhielt nur Toni Lob, da er der Unternehmer war.
1967 gründete Anton "Toni" Wiedermann seine Firma in der Franz-Josef-Straße 345 (heute Kaiser Franz-Josef-Straße 43) unter dem Namen Toni Wiedermann Wito-Konstruktion. Der Geschäftszweig umfasste die Projektierung, den Bau und die Lieferung von Seilbahnen und Zubehör sowie den allgemeinen Maschinenbau. Laut einem alten WITO-Werbeprospekt fand ich heraus, dass er bei der Sonnleitenlift in Mautendorf für die Konstruktion, Planung und Projektverfassung verantwortlich war. Er dürfte auch weitere Projekte betreut haben, jedoch war es schwer, Informationen im Internet zu finden. Die Firma war auch noch in den 1970er Jahren aktiv.
Trachten und Skimode Wiedermann
Anni Wiedermann führte das Sporthaus Hödlmoser und übernahm im Jahr 1958 diese Firma, die sie in ihren eigenen Betrieb integrierte. Als Geschäftsführerin betrieb Anni Wiedermann den Handel mit Waren aller Art, insbesondere mit Sport- und Andenkenartikeln, Wäsche und Konfektionen, sowie die Ausübung des Damenschneidergewerbes.
Im Haus in der Palfnerstraße 2 saßen die Näherinnen und nähten Trachtengewänder und Skibekleidung, die im Wiedermann Trachtenstüberl und Skimode verkauft wurden.
Das Geschäft befand sich an der heutigen Adresse Kaiser Franz-Josef-Straße 43, im Gebäude, wo sich heute (im Jahr 2023) das Modegeschäft Lindenthaler befindet. Die damalige Adresse war Franz-Josef-Straße 345. Das Wohn- und Geschäftshaus wurde von den Familien Wiedermann und Monauni gebaut. Dort hatte auch Toni Wiedermann im unteren Teil, in Richtung Hotel Salzburger Hof, eine Werkstatt für seine technischen Erfindungen wie Skibindungen, Seilbahnkonstruktionen und andere Arbeiten.
Ende der 1980er Jahre schloss die Firma Anni und Anton Wiedermann die Dirndlstube und Skimoden Gesellschaft m.b.H. in Bad Gastein. Im Jahr 1989 verlegte Wiedermann ihren Standort von Bad Gastein nach Bad Hofgastein in die Pyrkerstraße 3. Das Wohnhaus wurde an Hermann Schneeberger verkauft.
Taxi Schneeberger
1986 verkaufte die Familie Wiedermann das Haus in der Palfnerstraße 2 an den Taxiunternehmer Hermann Schneeberger (*1956). Er sanierte das Haus umfassend und teilte es in drei Wohnungen auf. Der gebürtige Gasteiner Hermann hatte nach einer erfolgreichen Karriere im ÖSV-Kader und dem Titel des Europa-Juniormeisters im Slalom einige Jahre in der Sportartikelbranche in Deutschland gearbeitet. Durch seine Vermählung im Jahr 1977 mit seiner ersten Frau Andrea kam er mit dem Taxigewerbe in Kontakt, da ihre Familie ein Taxiunternehmen besaß. Die Ehe blieb kurz, jedoch blieb Hermanns Bezug zum Taxigewerbe lebenslang bestehen.
1986 gründete Hermann sein eigenes Taxiunternehmen, damals unter der Nummer 3232. Bei der Digitalisierung der Telefonnummern änderte sich diese in den 1990er Jahren auf 6633. Hermanns zweite Ehefrau ist die Schwedin Ingmari (*1965), geborene Sköld. Sie kam das erste Mal im Mai 1989 als Reiseleiterin nach Bad Gastein. Zwei Sommer lang kam sie immer wieder mit Reisebussen und ihren Gästen nach Gastein, und im November 1990 übersiedelte sie zu ihm. Das Taxiunternehmen führen sie gemeinsam. Die Taxifirma ist noch heute (2024) aktiv. Hermann und Ingmari haben drei Kinder: Oscar, Victor und Ellen.










