
"Eierspeisblock", Tischlerei Reicher, Wäscherei Forster, Wäscherei Schneeberger, Schuster Herzog
Palfnerstrasse 1 - 5Die ehemalige Adresse war Siedlung, mit einer Hausnummer, z.B. Siedlung 8 oder Siedlung 10. Bis in die 1980er Jahre standen hier mehrere längliche, alte Holzwohnhäuser. An deren Stelle befinden sich jetzt die Mitte der 1980er Jahre erbauten Wohnblöcke Palfnerstrasse 1, 3 und 5, die wegen ihrer Farbe als "Eierspeisblock" bezeichnet werden. Die Häuser 1 und 5 sind Mietwohnungen, während die Nummer 3 Eigentumswohnungen sind. Bis 1981 befanden sich hier, als alles noch alt war, einige Firmen wie zum Beispiel die Tischlerei Reischler wo später Schusterei Herzog hinkam, die Wäschereien Schneeberger und Forstner.
Sieh, wie die Siedlung früher aussah – Bilder von der Seite Gastein im Bild
Tischlerei Reischer
Im Haus ganz oben Richtung jetzige Geräte Bauhof hatte Herr Toni Reichler und seine Frau Anna eine Tischlerei. Er hat Lehrlinge ausgebildet. z.B. der Sohn von die Hebamme Harlander und mein Bruder Daniel Oberrauter erzählt mir Brigitte Wheeler, die als Kleinkind hier in der Siedlung gewohnt hat. Herr Reichler dürfte bis in den 1950er Jahren aktiv gewesen sein, dann übernahm Herzog sein Lokal.
Schuster Max Herzog
In der ehemlige Tichlereilokal hatte Max Herzog eine kleine Werkstatt in einem kleinen Haus in der Nähe des Palfnerbachs,. Vor dem Krieg war Schuster Herzog im Obergeschoss des Dunstbads in der Bismarckstraße 2 tätig. Hier oben, neben dem Palfnerbach, wohnte er und betrieb auch eine kleine Schusterei. Mir wurde erzählt, dass er und seine zwei Schwestern hier wohnten und keiner der drei verheiratet war bzw. Kinder hatte.
Wäscherei Schneeberger
Die ehemalige Adresse war Gemeindesiedlung 5. Die Wäscherei hier am Palfnerbach wurde 1951 von der verwitweten Maria Schneeberger eröffnet und war bis 1981 aktiv. Die erste Wäscherei ihrer Schwiegereltern, Hermann Schneeberger (*1875 †1949) und seiner Frau Maria, geb. Hirschmann (*1878 †1948), befand sich vor und während des Krieges bis ca. 1950 in der heutigen Böcksteiner Bundesstraße 25, wie wir im Buch 1 berichtet haben. Hermann Schneeberger und seine Frau Maria bekamen zwei Kinder, Hermann Junior (*1903 †1949) und Anna (*1911 †1983). Die Familie lebte im „Schlossgraben" in Bad Gastein und betrieb auf der Böcksteiner Straße eine Wäscherei.
Anmerkung: Der Schlossgraben mit Wohnhäusern aus Holz befand sich hinter dem jetzigen Badeschloss am Straubingerplatz, wo jetzt "der Hotelturm" steht. Bitte beachten Sie, dass es zwei Generationen Hermann und Maria Schneeberger gab.
Nach dem Krieg lebte die Familie Schneeberger im ersten Haus neben dem Palfnerbach, das von der Böcksteiner Straße aus zu sehen war. Hier wohnten unter anderem auch die Familien Schöffmann, Steger, Frau Babilack, Hofer Lena und Familie Forstner, erzählt Maritta Wimmer über diese Zeit. Ihre Mutter, Maria Schneeberger (*1901 †1981), geborene Budin, stammte aus St. Gilgen im Salzkammergut. Wie viele andere kam sie nach Gastein, um zu arbeiten. Sie heiratete Hermann Schneeberger (*1903 †1949), mit dem sie zwei Kinder bekam: meinen Bruder Herwig (*1941) und mich, Maritta (*1943). Mein Vater Hermann Schneeberger Junior war Telegrafenbeamter und erlitt 1949 einen schweren Arbeitsunfall. Er fiel von einem Mast und verletzte seine Milz. Der damalige Spengler und Arzt, Dr. John, tat, was er konnte, aber mein Vater Hermann starb ein paar Tage später. Am 17. September 1949 fand in Böckstein ein großes Begräbnis statt, das im Bad Gastein Badeblatt Nr. 50 vom 9. November 1949 dokumentiert ist:
"Ein mächtiger Zug mit Trachtenvereinen mit ihren Fahnen, der Gesangsverein „Alpenrose“, Vertretung der Gemeinde, des Landestrachtenverbandes, des Telegrafenbauamtes und viele Trauergäste von nah und fern. Es war ein Begräbnis, wie Böckstein es selten gesehen hat. Warme Worte des Bürgermeisters, des Direktors des Telegraphenbauamtes sowie des Vertreters vom Landestrachtenverband wurden gesprochen, gefolgt von einem letzten „Nagerlgruaß“, vorgetragen vom Verfasser Konrad Nusko selbst. Ebenso wurde ein ergreifendes Abschiedsgedicht unserer Heimatdichterin Annie Reinhardt vorgetragen, das von der jüngsten Trachtlerin Inge Machreich gesprochen wurde. Schließlich wurden die letzten Grüße von den Hüttenkoglern überbracht, mit denen Rupert Rieser den Salut der Fahnen einleitete. Diese zeigten die Dankbarkeit für die Tätigkeit und den großen Idealismus, mit dem Schneeberger in seinem Beruf und als begeisterter Verfechter des heimischen Brauchtums wirkte. Sie unterstrichen auch seine große Beliebtheit, die er genoss."
Durch den tragischen Unfalltod stand seine Frau Maria als alleinerziehende Mutter mit zwei Kindern da. Sie beschloss, trotz der schwierigen Umstände, 1951 die Wäscherei wieder zu eröffnen, die zuvor von ihren Schwiegereltern betrieben worden war, wo sie auch beschäftigt gewesen war.
"Es waren harte Zeiten," erzählt die Tochter Maritta Wimmer, geborene Schneeberger, "aber wir haben zusammengehalten. Jeden Morgen mussten wir um 5 Uhr früh die Waschkessel anheizen. Wir heizten mit Holz und Tannenzapfen. Die Wäsche kam hinein, und bis mittags musste alles gewaschen sein, um aufgehängt und getrocknet zu werden. Wasser holten wir von Hand aus dem Palfnerbach. Vieles wurde per Hand gewaschen und gebügelt. Erst später konnten wir uns eine Waschmaschine und eine Bügelmaschine leisten. Das Waschpulver Persil wurde in 25-kg-Säcken geliefert, die ein Lieferant aus Innsbruck persönlich vorbeibrachte. Für Handwäsche verwendeten wir Hirschseife, und am Freitag war für uns alle „Badetag“, also Körperpflege."
Als Maritta noch ein Schulkind war, musste sie neben der Schule und ihren Hausaufgaben zusätzlich bei ihrer Mutter in der Waschküche mithelfen. Die Wäschekörbe wurden vom Korbmacher Haller hergestellt. Damals befand sich seine Werkstatt im Haus unterhalb des Mozartplatzes (Anm.: heute Gasteiner Bundesstraße 15). Die Fässer holten sie beim Fassbinder im Kötschachtal. Ein Zweirad-Wagen konnte hinter ihnen hergezogen werden, um die Fässer dorthin zu bringen und abzuholen, weil sie manchmal repariert werden mussten. "Oh, wie mühsam war es, wenn die Fässer umkippten," erinnert sich Maritta. Gleichzeitig stellt sie fest, dass sie trotz ihrer spartanischen und harten Arbeit stolz auf ihre Tätigkeit waren und dass sie die schönen Hotels beliefern durften. Hotels wie zum Beispiel das Bellevue, Straubinger, Elisabeth Park, Schillerhof, Salzburger Hof, Wildbad, Söntgen, Hiss, Badschloss, Mozart, Savoy, Regina, Helenenburg und viele kleinere Kurhäuser. Auch die Gäste des Heilstollens brachten ihre Wäsche.
"Es gab immer etwas zu tun: Bettwäsche, Handtücher, Tischdecken, Servietten, Dienstbekleidung und auch die Kleider der prominenten Gäste. Die Gäste blieben für 3 - 4 Wochen. Am Abend bin ich mit meiner Freundin oder meinem Bruder Herwig Wäsche ausliefern gegangen – wir haben die Wäsche in Körben zu zweit getragen, je einen auf jeder Seite. Manchmal mussten wir die langen schönen Kleider, Blusen, Servietten, Hosen usw. direkt ins Hotelzimmer zu den Herrschaften bringen. Das konnten wir nicht in Körbe legen, sondern mussten sie mit hoch ausgestrecktem Arm tragen, um nicht geknittert oder schmutzig zu werden. Dafür gab es für uns, wenn wir ins Gästezimmer kamen, einiges an Trinkgeldern. Die Gäste waren immer sehr nett zu uns," erzählt Maritta. "Bei den Winterolympischen Spielen 1958 hatten wir auch Wäsche von prominenten Gästen wie Toni Sailer, Karl Schranz, Anderl Molterer und Christian Pravola. Das sind Momente und Begegnungen, die man nicht so schnell vergisst. Wenn wir die Wäsche bei den Gästen abholten, mussten wir die Wäsche 'markieren', um zu wissen, zu wem das jeweilige Kleidungsstück gehörte. Dafür haben wir ein Perlgarn in verschiedenen Farben verwendet. Beim Ausliefern, das wir immer zu Fuß machten, hatten wir Seidenpapier zwischen den Kleidungsstücken und dünne Plastiksäcke darüber. Eine Wäschearbeiterin zu sein war hart," fasst Maritta zusammen, "aber irgendwie ging es immer weiter."
Nach der Hauptschule begann Maritta eine zweijährige Lehrausbildung bei ihrer Mutter Maria in der Wäscherei. Begleitend besuchte sie die Gewerbliche Berufsschule in St. Johann im Pongau und schloss ihre Gesellenprüfung für das Wäscherei- und Bügelgewerbe im Juni 1961 erfolgreich ab. In der Wäscherei half auch die Schwester ihrer Mutter mit. Josefine, auch „Pepi Tante“ genannt, war wie ein guter Geist an ihrer Seite.
Maritta übernahm die Wäscherei von ihrer Mutter Maria.
Im Jahr 1981, als ihre Mutter starb, beschloss Maritta auch, ihre eigene Wäscherei zu schließen. Dazu kam, dass die alten Holzhäuser am Palfnerbach abgerissen werden sollten. An ihrer Stelle sollte ein modernes Wohnhaus errichtet werden (heute Wohnhaus Palfnerstraße 1, 3, 5). Maritta wurde zwar schon bei der Planung ein Ladenlokal für eine Wäscherei angeboten, aber die Miete und die Investitionen hätte sie sich kaum leisten können, erzählt sie heute. Deshalb schloss sie die Wäscherei endgültig 1981 und begann als Angestellte bei Reinigung Mörtl in der jetzigen Schareckstraße 1 zu arbeiten. Dort arbeitete sie ungefähr vier Jahre bei der Kleiderreinigung für Herrn und Frau Mörtl und wusch und bügelte viel. Mitte der 1980er Jahre bekam Maritta Wimmer eine Stelle als Reinigungskraft im Kindergarten Bad Gastein, die sie annahm. Diesen Beruf übte sie etwa 20 Jahre aus, bis sie in den Ruhestand ging.
Wäscherei Forstner
Die Wäscherei Forstner befand sich im selben Haus, neben der Bach wie die Wäscherei Schneeberger. Katharina Forstner arbeitete ungefähr genauso wie die Familie Schneeberger. Auch sie holte Wasser aus dem Palfnerbach und wusch sowie bügelte viel per Hand. Laut Register schloss Forstner ihre Wäscherei Anfang der 1960er Jahre.




