
Tischlerei Bacher, Villa Bacher, Paracelsushof, Wohnhaus, Hausbetreuung Aleksandar Filipovic
Böcksteiner Bundesstraße 6 A & 6 B
Eingang auf der Hauptschulstraße
Heute steht auf diesem Grundstück ein großer Wohnblock mit Mietwohnungen und zwei Eingängen an der Hauptschulstraße. Ganz Früh befand sich hier die Villa Bacher.
Familie & Tischlerei Bacher
Die Vorfahren der heutigen Familie Rud in Bad Gastein waren die Betreiber der Tischlerei Alois Bacher. Sie stammten aus dem Lungau und hatten bereits im 19. Jahrhundert eine Tischlerei in St. Johann im Pongau, später hier in Bad Gastein, wie ich anhand ihrer Stempel auf Bauplänen in verschiedenen Bauakten der Gemeinde Bad Gastein sehen konnte.
Kurhaus Villa Bacher & Paracelsushof
Im Jahr 1906 kaufte Alois Bacher (*1867 †1938) hier das Grundstück und zwei Jahre später, 1908, ein 5.413 m² großes angrenzendes Grundstück. Dieses erstreckte sich von der heutigen Böcksteiner Bundesstraße 6 bis zur Gasteiner Ache bei der Schule und der jetzigen Hauptschulstraße 14 und hatte eine eigene Trinkwasserquelle. In der Mitte läuft noch immer der Ederbach durch, jedoch seit den 1960er Jahren nicht mehr sichtbar, sondern er verläuft unterirdisch. Der Ederbach ist nur kurz beim ehemaligen Fischerstüberl Leimböck/Schareckstraße 17 sichtbar, anschließend fließt er unterirdisch bei der Lackner-Garage und dem Kindergarten vorbei, zwischen den Häusern der Hauptschulstraße 6–4 durch und mündet in die Gasteiner Ache.
Alois Bacher ließ dazu im Jahr 1908 vom Baumeister Angelo Comini eine Villa zum Wohnen errichten. Diese Villa wurde in den Jahren 1926 bis 1928 zu einem Kurhaus umgebaut und erhielt den Namen Kurhaus Villa Bacher, geführt von seine Frau Marie Bacher. Das Kurhaus Villa Bacher bot gutbürgerliche Küche, Thermalbäder im Haus und einen großen Garten in sonniger Lage, wie ein Inserat im „Gasteiner Badeblatt“ belegt. Es wurde laut Register bis zum Jahr 1960 von der Gesellschaft K&A Bacher geführt, bevor sich diese Gesellschaft auflöste. Anschließend wurde es zum Kurhaus Paracelsushof umgebaut.
Die erste Villa und der Paracelsushof hatten ihre Eingänge zur Hauptstraße hin, weshalb die Adresse Böcksteiner Bundesstraße 6 lautete. Das Gebäude Paracelsushof ist seit den 1990er Jahren nicht mehr vorhanden. Stattdessen entstand der jetzt vorhandene Wohnblock mit Mietwohnungen und Parkgarage.
Tischlerei Bacher – Rud
Auf dem großen Grundstück, das Bacher 1908 kaufte, wurde vor dem Ersten Weltkrieg eine Tischlerei und Zimmerei mit dazugehörigen Nebengebäuden errichtet, wie Pfostenlager, Maschinenwerkstatt, Glaserhütte, Remise und Wohnhaus für die Familie Alois und Maria Bacher mit ihren vier Kindern. Dazu gab es ein Personalwohnhaus sowie einen Pavillon und eine Kochhütte. Die Holzhäuser wurden 1911 fertiggestellt, insgesamt waren es zehn Gebäude, zusätzlich zur Villa Bacher, die massiv gebaut war.
Alois Bacher (*1867 †1938) heiratete Marie, geb. Kasperer (*1864 †1948). Beide kamen aus dem Lungau. Sie hatten fünf Kinder. Eine der Töchter, Mathilde Bacher (*1895 †1967), heiratete Salomon Rud (*1880 †1951). Er kam aus Innerfragant in Kärnten, hatte eine Baumeisterprüfung und konnte somit 1918 die Tischlerei und Zimmerei vom Schwiegervater Bacher übernehmen.
Mathilde und Salomon Rud bekamen vier Kinder: Edeltraud (*1919 †2010), Walter (*1926 †2008), Werner (*1928 †2016) und Heinz (*1935 †2020).
Der Sohn Walter Rud musste in den Krieg ziehen und verbrachte die Kriegsjahre bis 1946 in Frankreich. Bis zum Kriegsende wohnten die Eltern Mathilde und Salomon Rud mit ihren anderen Kindern im Wohnhaus 141 (heutige Hauptschulstraße 1). Nach dem Zweiten Weltkrieg mussten sich viele Menschen einschränken, so auch die Familie Rud. Sie verkauften das Haus in der Hauptschulstraße 1. Salomon Rud zog mit seiner Familie in das daneben gelegene ehemalige Personalhaus in der damaligen Esterstraße 31 (das Gebäude ist nicht mehr vorhanden, die heutige Adresse lautet Zimburgweg 3 & 5 - Siehe alte Foto für die Lage).
Die Familie Salomon Rud vermietete auch Zimmer im Haus, unter anderem an die Familie Heyer. Die Tochter Waltraud Martinovic, geb. Heyer, wohnte mit ihren Eltern in den 1950er-1960er Jahren in der Esterstraße 31. Waltraud berichtet: „Ich habe ab meiner Geburt 1954 dort im Haus gewohnt. Mein Vater schon seit Ende der 1940er Jahre. Das Haus war ungefähr im gleichen Stil gebaut wie das damalige Nachbarhaus (heute Haus Zimburg in der Hauptschulstraße 1). Wir wohnten in der Mansarde. Unter uns wohnten die Familie Egger und die Familie Haid. Es gab auch ein Zimmer für Tischler, die nicht aus Gastein waren. Ganz unten war eine Waschküche und das Büro von Ing. Walter Rud, dem Sohn von Salomon. Wir hatten in den Wohnungen kein fließendes Wasser. Es gab nur eine Leitung im Treppenhaus für alle Parteien. Alles war sehr einfach eingerichtet. Als meine Eltern auszogen, war ich 15–16 Jahre alt und im Internat in Salzburg.“
Die zwei Brüder Rud, Walter und Heinz, gründeten eine GmbH & Co. KG, denn die wachsende Hotellerie brachte viele Aufträge. So lieferten die Brüder, wie schon ihr Vater, anfangs unter gefährlichen Bedingungen, mit Handkarren und zwei Stecken als Bremsen, ganze Dachstühle ins steil nach unten führende Zentrum zu den jeweiligen Baustellen. Schon ihr Vater Salomon Rud hatte den Dachstuhl des Hotels Straubinger und des Hotels Weismayr errichtet. Mit der Zeit ging es nicht mehr nur um Dachstühle, sondern auch um Bauernmöbel, und die Arbeiten von Heinz Rud waren in zahlreichen Hotels begehrt. Er lieferte zum Beispiel an die Hotels Germania, Mozart, Wührer´s Parkhotel, Elisabethpark, Schillerhof, Miramonte und Kaiserhof sowie Mitte der 1970er Jahre auch an das moderne Kongresszentrum. Während der guten Auftragslage beschäftigte die Firma Rud bis zu 25 Mitarbeiter, und auch der Schwiegervater von Heinz Rud, Josef Grechenig (*1919 †1977), arbeitete in der Firma mit. Kaufmännisch wurde alles von seiner Frau Inge Rud, geborene Grechenig (*1943), geführt. Ihre Schwester Herta Katsch, geborene Grechenig (*1949), arbeitete als Büroangestellte.
Heinz Rud hatte also Inge Grechenig geheiratet, eine gebürtige Kärntnerin. Sie bekamen vier Kinder: Heinz, Elke, Karin und Doris. Sein älterer Bruder Walter Rud (*1926 †2008) hatte wie schon erwähnt Margaretha geheiratet, und sie bekamen ihren Sohn Herwig. Sie haben das Haus in der Hauptschulstraße 2 gebaut und dort gewohnt. [1]
Mehr zur Tischlerei Rud lesen Sie auf der Adresse Hauptschulstraße 4.
Hausbetreuung Aleksandar Filipovic
Unter dieser Adresse Böcksteiner Bundesstraße 6 fand ich die Hausbetreuungsfirma zugeordnet.
Berufszweig: Hausbesorger, HausserviceGewerbewortlaut: Hausbetreuung, bestehend in der Durchführung einfacher Reinigungstätigkeiten einschließlich objektbezogener einfacher Wartungstätigkeiten. Alexandar ist seit 2022 selbstständig.[2]
Fußnoten/Quellen:
[1] Information von Familie Rud durch die Tochter Elke, Mehrmalige Kontakt März 2021 und Sommer 2024 und sie hat Fotos zu verfügung gestellt. Dazu fand ichInfo im Zentralblatt 1960 Handelsblatt. Die alte Fotos vom Villa Bacher und Paracelsushof mit Text habe ich von Anton Lafenthaler seiner Seite - https://gastein-im-bild.info/doku/dbild/dko133b.html Dazu Schriftverkehr Juni 2021 mit Waltraud Martinovic geb. Hayer betreff wie sie im Haus als Mieter gewohnt hat. Daten vom Grabstein
[2] Nur im Internet gefunden auf https://firmen.wko.at/aleksandar-filipovic/salzburg. Selbstverständlich kann hier mit Fotos und Informationen zur Person ergänzt werden. (Stand: Nov. 2024)









