top of page

Karl Heinrich Waggerlstraße 38

Lebensmittel Gugganig - Pointinger

Gugganig - Pointinger Gemsichtwarenhandel. 

Karl Heinrich Waggerlstraße, hinter der Raiffeisenbankgebäude. Hier an der Ecke nach der kleinen Brücke, über der Palfnerbach, war bis 1992 die Gugganig - Pointinger ihr Geschäft.  

Das Gebäude ist nicht mehr vorhanden, sondern hier steht jetzt das Wohnhaus Nr. 38.


Familie Gugganig hatte hier schon vor dem Krieg ein Gemischtwarenhandel. Anton Gugganig (*1875 † 1951) war Schumacher und seine Frau Maria (*1880†1919) betrieb die Geschäfte. Sie hatten zwei Söhne Alois Gugganig (*1906 †1944) Hermann Gugganig (*1907 †1945) und die Tochter Klara (*1912†2001).  Alois lernte zwar der Beruf Schumacher, war jedoch später selbständige als Schilehrer und Bergführer. Er betrieb eine eigne Schischule. [1] Alois war im Krieg Heeresbergführer und wurde Ritterkreugzträger.[2] Er starb im Krieg, wie seinem Bruder Hermann. Hermann war auch ein guter Schifahrer. 1928 als die erste Skimeisterschaft von Bad Gastein durchgeführt wurde trug Hermann Gugganig und Ida Lahsnig sich in die Siegerlisten ein.[3]


Klara Gugganig - Pointinger

Das Hauptgeschäft lag unten bei Badehospiz. Dort hatte Maria Gugganig eine Milchtrinkhalle und später Gemischtwarenhandel. Nach dem Krieg übernahm die Tochter Klara (*1912†2001). das Geschäft. Klara war in der ersten Ehe mit Franz Steidl (*1908†1944) auch er starb während des Kriegs.

In zweite Ehe mit Hans Pointinger (*1915†1990) verheiratet. Klara war immer im Geschäft untern bei der Nikolauskirche. 7 Personen waren 1959 bei Ihnen beschäftigt im Hauptgeschäft und Filiale Sie verkauften laut Handelsregister Milch, Molkereiprodukte, Wurstwaren, Obst, Gemüse und Landesprodukte sowie Waschmittel. [4]


Gugg- Lies

Hier in der Filiale auf der jetzige Karl Heinrich Waggerlstrasse war Liesi Witzaner auch Gugg-Lies genannt (*1932) Verkäuferin. Sie kam als Lehrmädchen ins Geschäft und blieb in der Filiale, als Verkäuferin und später als Geschäftsleiterin bis zum Schluss 1992, als sie mit 60 Jahre in Pension ging.[5]  Liesi war sehr bleibt bei allen Kunden und den Kindern bekam oft ein Zuckerl zugesteckt.[6] 


Sonja Walter erinnert sich:

„Am Palfnerbach gab es eine" kleine (ca. 10qm) Filiale Gugganig. Das Hauptgeschäft war unten am Badberg.  Dort haben wir Zucker, Mehl, Salz, Äpfel usw. eingekauft. Offene Milch in der 1 oder 2 Liter Kannen, Topfen und Joghurt gab es nur in der Molkerei gegenüber vom Nußdorfer Hof.“[7] 


Christian Oberthaler beschreibt das Geschäftslokal in seinem Buch „Das Glasscherbernviertel – Erinnerungen eines Lausbuben“ sehr genau:

„Das Geschäftslokal selber war räumlich sehr begrenzt was aber der Popularität und dem Zulauf der Kundschaft keinen Abbruch tat. Die Einrichtung bestand hauptsächlich aus einer schlichten kleinen Theke, damals noch Budel genannt, worauf sich eine antiquarische Registrierkasse befand, welche heute nur mehr in alte Firmen zu bestaunen ist. Im Hintergrund hingen Wurststangen herab, die im Einklang mit diversen anderen Produkten dem Geschäft diese einzigartige Duftnote verliehen, welche einem schon beim Eintritt so wohltuend empfing. Das Warenangebot war vielseitig. Angefangen von Brot und Milch bis hin zu diversen Zeitschriften, welche meiner Erinnerung nach nicht alle ganz jugendfrei waren, würde allerhand feilgeboten. Neben der Kasse befand sich sogar Schatulle mit Zigaretten, welche in Zeiten der magereren Haushaltbudget noch stückweise erworben werden konnten. Große Behälter mit den verschiedenen Zuckerl-Mischungen reihten sich an Gurkengläser, unten einem Sturz trugen einige ausgewählte Käsesorten ebenfalls zu dem unverwechselbaren Aroma dieser wunderbaren Örtlichkeit bei.[8] Das Buch können Sie käuflich im Buchhandel erwerben.

Bedeutung Glasscherbenviertel https://de.wiktionary.org/wiki/Glasscherbenviertel = ärmliches Wohngebiet mit sozial schwierigem Umfeld.


Dagmar Maschinda errinnert sich: Dagmar müsste wie ihre Geschwister oft Milch holen bei Frau Gugganig und oft würde gestritten wer gehen dürfte, weil beim Milchholen bekamen sie meistens ein Zuckerl von Frau Gugganig.“Sie hatte drei so hohe Gläser mit Zuckerl, in ein waren solche Drops“ erinnert sich Dagmar und sagt dazu das heute ein Kind wahrscheinlich enttäuscht wäre, wenn es nur ein Zuckerl bekäme aber wir waren damals heil froh.


Elfi Oberbichler erinnert sich:

Der kleine Franz Oberpichler, wir erzählt, war in der Schule kein besonderer guter Schüler. Jedoch würde aus der kleine Franz Oberbichler (*1927 † 2006) später ein Metzgermeister. Als Kind müsste er, wie den anderen Kindern, zur Hauptschule in Hofgastein. Die Badgasteiner fuhren mit dem Bus hin und her.  Einmal war sogar für ihm sein Zeugnis etwas zu mies und er zögerte nach Hause zu gehen. Es wird in der Familie noch erzählt wie er lange auf der Bankerl vorm Geschäft Gugganig saß, weil er sich nicht traute nach Hause zu gegen. In seine Verzweiflung zerriss er kurzerhand sein Zeugnis und warf sie unters Bankerl beim Gugganig. Daheim gab es, wie damals üblich, es ein paar Ohrfeigen, dann war aber die Sache für Familie Oberbichler auch erledigt.[9]


Anmerkung: Bis Mitte der 1970er Jahre war es Eltern erlaubt, ihre Kinder mit Ohrfeigen und generell allen Mitteln, die nicht zu körperlichen Schäden führten, zu züchtigen. Explizit gesetzlich geregelt ist das Gewaltverbot in der Erziehung erst seit 1989. In Schulen hatten Lehrpersonen bis 1974 das Recht, “schlimme Kinder“ mit dem Rohrstaberl zu bestrafen. Meist vor den anderen, zwecks Demütigung. Erst ab 1974 sind Schläge, Beleidigungen und Kollektivstrafen in der Schule verboten. Der Klerus billigte “Züchtigung” lange, da die Bibel diese als legitimes Kindererziehungsmittel ansieht.[10]


Fußnoten/Quellen:

[1] https://www.findbuch.at/files/content/adressbuecher/1937_bsoe_sbg_tb/6__Uebrige_Fernsprechnetze.pdf

[2] https://www.edelweiss-antiques.com/alois-gugganig  am 30. April 2021 gelesen

[3] http://www.skiclub-badgastein.com/anfaenge.html  am 30. April 2021 gelesen

[4] Liesi Winzaner hat in Juni 2021 die ganze Geschichte persönlich an Elfi Oberbichler erzählt.

[5] Kurzes Gespräch mit Liesi in April 2021 dazu hat sie ausführlich in Juni 2021 alles an Elfi Oberpichler berichtet für Weitergabe an uns.

[6] Erzählungen von mehreren Einheimischen die bei Liesi einkaufen waren.

[7] Schriftverkehr in April 2021 mit Sonja Walter geb. Lafenthaler

[8] Text aus dem Buch „Das Glasscherbernviertel – Erinnerungen eines Lausbuben“ von Christian Oberthaler Herausgegeben in eigene Regie, im Jahr 2021. Buch kann bei dem Schriftsteller erworben werden. Schrieben Sie an: Christian Oberthaler Sonnblickstrasse, A-5645 Böckstein-Bad Gastein.

[9] Familien-Anekdote wurde in Juni 2021 von Tochter Elfi Oberbichler erzählt

[10] https://www.stadtbekannt.at/frueher-hatte-die-jugend-noch-respekt/    gelesen 18. Mai 2021


bottom of page