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Paracelsusstraße 1

Großhandel Leimböck für Fische, Wild und Geflügel, Obst/Gemüse Schwaighofer , Apartmenthaus Marianne

Großhandel Leimböck für Fische, Wild und Geflügel

Ernst Leimböck (*1931 †1987) wuchs bei seinen Eltern im Kurhaus Leimböck in der heutigen Poserstraße 10 auf. Sein Vater, Kaspar Leimböck (*1897 †1978), baute 1935 neben dem „Fischerwirt“, wo Ernsts Großeltern gewohnt hatten, ein Wohn- und Geschäftshaus an der Ecke Karl-Heinrich-Waggerl-Straße/Poserstraße 10 – das „Kurhaus Leimböck“. Kaspar war mit Julia (*1900 †1979) verheiratet, und sie hatten vier Kinder: Ernst, Willi (der leider im Krieg verstarb) sowie die Töchter Julia, genannt Lia, und Erna. Die Familie Kaspar und Julia Leimböck betrieb das Kurhaus bis in die 1960er Jahre.

Ich vermute, dass Kaspar während und nach dem Krieg ein Geschäftslokal im Haus hatte, in dem er mit Wild und Fisch handelte. In der Bauakte fand ich heraus, dass Leimböck’s Fisch-, Geflügel- und Wildwarenhandel 1951 seine Geschäftsräume auf der Terrasse erneuerte und mit besseren Kühlgeräten ausstattete. Zur Verdeutlichung: Wir sprechen hier über den Bereich, in dem sich heute eine Ordination befindet und nicht über die Räumlichkeiten, in denen früher Gewa/Konsum ihre Geschäfte hatten.

Als Kaspar älter wurde und nicht mehr im Geschäftsleben aktiv war, verpachteten er und Julia das Kurhaus an die Familie Stefanitsch. Kaspars ältester Sohn, Ernst, übernahm das Wild- und Fischgeschäft. Seine Geschäftsadresse war in der Paracelsusstraße 1, wo er im Erdgeschoss einen Großhandel mit Rampenverkauf für Fisch, Vogel und Wild betrieb. Ernst und seine Frau Christina lebten mit ihren drei Kindern ebenfalls in diesem Haus.

Ernst wurde beauftragt, für seine Eltern Kaspar und Julia ein Austragshaus zu bauen. Anmerkung: Mit Austragshaus, Ausziehhaus oder Abnahmehaus wird ein kleineres Gebäude auf einer Hofstätte bezeichnet, das für die ältere Generation errichtet wurde und den Altbauern nach der Übergabe des Hofes als Wohnstätte dient. Das neue kleine Haus neben dem Kurhaus Leimböck, in Richtung der Ache, wurde in diesem Fall zum Austraghaus für Kaspar und Julia. Später wurde das Haus „Wastl-Haus“ genannt, da Ernsts Schwester Lia (Julia) das kleine Haus später erbte. Sie war mit einem Tischlermeister namens Wastl aus Tirol verheiratet, weshalb das Haus diesen Namen erhielt. Heute gehört das kleine Haus zur Pension Gabriele – Familie Enzinger – und wird als "Landhaus Gabriele" geführt.

Nachdem die Familie Stefanitsch in den 1970er Jahren nicht mehr Pächter war, übernahm Ernst mit seiner Frau das Kurhaus in Eigenregie. Christinas Mutter, Lotte Schett (*1923†2023) zog als „gute Seele“ des Hauses ein. Sie wohnte im Dachgeschoss des Kurhauses und war immer vor Ort, falls etwas war, während Ernst und Christina weiterhin in der Paracelsusstraße 1 lebten. Dort lief stets der Großhandel für Fische, Wild und Geflügel. „Im Herbst, kann ich mich erinnern, waren mehrere Metzger mit der Verarbeitung von Wildfleisch beschäftigt,“ erzählt sein Sohn Ernst (1971).


Politiker Leimböck

Ernst Leimböck (*1931 †1987) war nicht nur Kaufmann, Jäger und Fischer, sondern auch Politiker für die ÖVP. Nach der Volksschule besuchte er die Hauptschule sowie die Handelsschule. 1964 wurde er Gemeinderat in Bad Gastein und vertrat die ÖVP vom 7. Juni 1966 bis zum 4. Oktober 1968 im Nationalrat.


Nuklearkatastrophe von Tschernobyl

Dann kam die verheerende Nuklearkatastrophe von Tschernobyl in der heutigen Ukraine. Auf der siebenstufigen internationalen Bewertungsskala für nukleare Ereignisse wurde dieser Vorfall als erster in die höchste Kategorie „katastrophaler Unfall“ (INES 7) eingestuft. Es handelt sich um den folgenschwersten Unfall in der Geschichte der friedlichen Nutzung der Kernenergie. In einigen Ländern gelten weiterhin Einschränkungen für Produktion, Transport und Verzehr von Lebensmitteln, die immer noch durch den radioaktiven Niederschlag von Tschernobyl belastet sind. In Europa wurden etwa 3.900.000 km², das heißt 40 Prozent der Gesamtfläche, mit mindestens 4 kBq/m² Cäsium-137 kontaminiert. Besonders betroffen waren Vorderasien und Nordafrika. Österreich gehörte zu den am stärksten betroffenen Ländern Europas. Die durchschnittliche Cäsium-137-Kontamination betrug 18,7 kBq/m², mit Spitzenwerten von fast 200 kBq/m² in manchen Gebieten. Höhere Werte wurden nur in Belarus, Russland, der Ukraine und Teilen Skandinaviens gemessen. Plötzlich konnten keine Fische, kein Wild, keine Vögel, nicht einmal Bären oder Schwammerl mehr bedenkenlos verzehrt werden. Für Ernst Leimböck war diese Situation existenzbedrohend.

Inge Hagenmüller erwähnt, dass die Familie Leimböck ihr erzählt habe, sie hätten dazu um dieser Zeit einen Aufzug im Kurhaus einbauen müssen – ob dies eine eigene Entscheidung oder eine behördliche Verordnung war, ist unklar. Die Belastung wurde für Ernst Leimböck schließlich zu groß, und er nahm sich das Leben. „Das war eine traumatische Erfahrung,“ erzählt sein ältester Sohn heute. „Meine Mutter stand plötzlich mit drei minderjährigen Kindern allein da, musste die Firma auflösen und ein neues Zuhause finden. Damals wollten wir darüber nicht sprechen – ich war 16, mein Bruder 15, und meine Schwester 12. „Heute, als Erwachsener und Steuerberater, sehe ich es anders und kann sagen: Das war das reale Leben.“


Mehr zur Familie Leimböck finden Sie unter den Adressen: Fischerwirt, Karl-Heinrich-Waggerl-Straße 32, Poserstraße 10 und Schareckstraße 17.. [1] 


Obst/Gemüse Schwaighofer

„Das Haus in der Paracelsusstraße 1 wurde nach dem Tod meines Vaters Ende der 1980er Jahren an die Firma Obst/Gemüse Schwaighofer verkauft. Die Firma nutzte zunächst noch die Kühlräumlichkeiten. Soweit ich weiß, wurde das Haus später umgebaut, und es entstanden Wohnungen, die verkauft wurden." schrieb mir Ernst Leimböck (*1971)

Ferienwohnungen Marianne

Heute (2024) ist das Haus hier auf Paracelsusstrasse 1 ein Gästehaus mit dem Namen „Apartment Marianne“. Betreiberin ist laut der Homepage Marianne Schrattenecker.

Marianne Schrattenecker war während ihres aktiven Berufslebens eine tüchtige Geschäftsfrau. Zunächst war sie bei Gabrielle Aigner-Kölbl im Trachtengeschäft „Gabriella“ am Mozartplatz 7 angestellt. Später übernahm sie das Geschäft als Selbständige und führte es noch einige Jahre am Mozartplatz 7 weiter. Danach verlegte sie ihr Geschäft „Trachten Gabriella“ in die Kaiser-Franz-Josef-Straße xx. Mehr dazu finden Sie an der jeweiligen Adresse.[2] 


Fußnoten/Quellen:

[1] Erzählungen von Einheimischen über das Fisch- und Wildgeschäft. Schriftverkehr und Telefonate mit Ernst und Martina Leimböck Okt. 2024 dazu https://de.wikipedia.org/wiki/Auszugshaus. dazu  https://de.wikipedia.org/wiki/Ernst_Leimb%C3%B6ck sowie https://www.parlament.gv.at/person/838

[2] Persönliche Beobachtung wo Marianne gearbeitet hat und sie auch im jeweiligen Geschäf als Kundin besucht. Ihre Homepage https://www.appartementmarianne.at/ aufgerufen Sept 2024

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