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Mozartplatz 2

Haus Dr. Huber, Haus Schubert, Ordination Dr. Plötzeneder, Dr. Mayerhofer und Palmers, Schriften & Druckerei, Apartmenthaus Schubert

Folgende Geschäfte befanden sich im Erdgeschoss des heutigen Hauses Schubert, Mozartplatz 2:

  • 1963 – 1984: Palmers – Unterwäsche & Strümpfe (mit separatem Eingang von der Nordseite)

  • 1958 – 1985: Ordination Dr. Ernestine „Erna“ Plötzeneder (*1924 – †2013), Allgemeinmedizin

  • 1986 – 1988: Dr. Martin Mayerhofer, Allgemeinmedizin

  • 1990er Jahre: Schriften- und Druckerei Ronny Katch

Später wurden die beiden Geschäftslokale im Erdgeschoss zu einer Wohnung umgebaut.


Haus Dr. Othmar Huber ab den 1930er-JahrenDer Bad Gasteiner Arzt Dr. Othmar Huber beauftragte 1928–1929 den Architekten Schmid, für ihn ein Wohn- und Ordinationshaus am Mozartplatz zu errichten. Dieses Haus wurde im Laufe der Jahre mehrfach umgebaut, sodass – abgesehen vom Stiegenaufgang und dem Erdgeschoss – nichts mehr an die ursprüngliche Architektur Schmids erinnert. [1]


Nach dem Krieg – Amerikanisches Verwaltungshaus

Hier befand sich nach dem Krieg das amerikanische Hauptquartier mit der Verwaltung für Gastein, erzählte Hermann Altenhuber (*1928–†2025). Nach dem Krieg wurde Altenhuber von den Amerikanern nach Linz geschickt, um dort in der Kaserne zum Gendarmen ausgebildet zu werden.

„Die Amerikaner stellten eine Art Bundesheer auf. Wegen der Russen durften wir nicht offiziell als Soldaten ausgebildet werden, also wurden wir Gendarmen. Wir waren die ersten 30 Personen, die ausgebildet wurden. Die Amerikaner hatten dort rund 4.000 Fahrzeuge und viel Material.“

„Ich war im Frühling 1945 erst 16 Jahre alt. Es gab für meine Altersgruppe damals kaum noch erwachsene Vorbilder, da viele Bergsteiger und Sportler den Krieg nicht überlebt hatten.“

Altenhuber erzählt weiter, dass der Staat später alpine Einsatzgruppen der Gendarmerie gründete und er dort mitwirkte. Zwischen 1968 und 1999 war Hermann Altenhuber Obmann der Bergrettung Bad Gastein.

Mehr zu ihm finden Sie am Standort Ederplatz 1 – Haus Seidl. [2]


Ordination Dr. Huber – Übergang an Dr. Plötzeneder

Allgemeinarzt Dr. Huber ist noch 1957 im Herold-Telefonbuch als praktizierender Arzt gelistet. 1958 übernahm Dr. Ernestine Plötzeneder die Räumlichkeiten im Haus Huber – später Haus Schubert. Dr. Huber dürfte das Haus bis Ende der 1950er-Jahre auch als Gästehaus geführt haben. 1960 erwarb es die Familie Stocker. [3]


Familie Stocker – Ferienhaus Schubert

Um das Jahr 1960 kauften Baumeister Anton Stocker (†2008) und seine zweite Frau Inge (*1934), geb. Hartlieb das Haus und änderten vermutlich den Namen auf Schubert.

Sie modernisierten das Gebäude umfassend und gehörten zu den ersten Gastgebern, die Zimmer mit Dusche und WC im Zimmer anboten – nicht mehr am Gang. Zudem gab es Zimmer mit Verbindungstüren, die besonders von Ehepaaren geschätzt wurden, die getrennte Zimmer wollten, aber dennoch nah beieinander wohnen konnten.

„Einige Gäste haben sogar vom Hotel Bellevue zu unserem Hause gewechselt, obwohl das Bellevue damals noch ein gutes Hotel war,“ erzählte mir Inge Stocker. [4]

 

Ordination Dr. Ernestine Plötzeneder ab 1958

Im Erdgeschoss, mit Zugang von der Straße – dort, wo sich heute eine Wohnung mit Außenbereich befindet – befand sich ab 1958 der Eingang zur Ordination von Dr. Ernestine „Erna“ Plötzeneder (*1924–†2013).Sie übernahm die frühere Praxis von Dr. Othmar Huber und war hier bis etwa 1985 als Allgemeinärztin tätig.

Dr. Plötzeneder war sehr engagiert in ihrem Beruf und zugleich alleinerziehende Mutter eines Sohnes – was zu dieser Zeit noch ungewöhnlich war. Alleinstehende Mütter waren in den 1960er-Jahren in der österreichischen Gesellschaft stark tabuisiert und sozial ausgegrenzt, da außereheliche Mutterschaft als moralisch inakzeptabel galt. Dies führte oft zu Isolation und Stigmatisierung.Zum Glück war das bei der praktizierenden Ärztin Plötzeneder nicht der Fall. Eine breitere gesellschaftliche Akzeptanz für ledige Mütter begann erst Mitte der 1960er-Jahre allmählich zuzunehmen – parallel zum Aufbau eines modernen Sozialstaates. Dennoch war der Weg zu voller Anerkennung und Unterstützung noch weit. [5]


Mutter-Kind-Pass-Untersuchungen

Wie viele Ärztinnen und Ärzte führte auch Dr. Plötzeneder Mutter-Kind-Pass-Untersuchungen durch.

Der Mutter-Kind-Pass wurde 1974 eingeführt – gemeinsam mit einer erhöhten Geburtenbeihilfe, die an die Durchführung der vorgesehenen Untersuchungen gekoppelt war.Diese Maßnahme zeigte große Wirkung: Die Säuglingssterblichkeit – Österreich war zuvor europaweit eines der Schlusslichter – sank von 23,5 ‰ im Jahr 1974 auf 7,4 ‰ im Jahr 1992. Zudem kam es zu einer deutlich besseren Früherkennung von Krankheiten und Behinderungen. [6]


Erste Ordination Dr. Mayerhofer ab ca. 1985

Als Nachfolger übernahm Dr. Martin Mayerhofer die Praxis und war hier etwa ein bis zwei Jahre als Allgemeinmediziner tätig. Etwa 1987–1988 eröffnete er dann auf der gegenüberliegenden Straßenseite im Haus Oberhuber - Mozartplatz 8 - eine größere Ordination.

Mehr zu Dr. Martin Mayerhofer finden Sie am Standort Mozartplatz 8. [7]


Palmers-Geschäft ab 1963

Baumeister Anton Stocker kaufte das Haus 1960 und ließ das Erdgeschoss umbauen. Links, in Richtung Hotel Mozart, befand sich die Arztordination, und rechts – zur Nordseite hin – richtete er ein kleines Geschäftslokal ein.

Seine Tochter Inge (*1941) aus erster Ehe hatte schon in jungen Jahren bei Wiener Mode im Hotel L’Europe gearbeitet. Danach verbrachte sie einige Zeit in England und Frankreich, um die Sprachen zu lernen. Als sie nach Österreich zurückkehrte, wünschte ihr Vater, dass sie ein neues Palmers-Geschäft führen sollte, das er im Erdgeschoss einrichten ließ.

Da die Tochter Inge zu diesem Zeitpunkt noch zu jung war, um eine eigene Gewerbeberechtigung zu erhalten, wurde das Geschäft offiziell auf ihre Stiefmutter Inge Stocker (*1934, geb. Hartlieb) angemeldet. Achtung – beide Frauen, Tochter und Stiefmutter, trugen denselben Namen. Die Stiefmutter stand also auf dem Gewerbeschein, während die Tochter das Geschäft führte und ab 1963 im Verkauf tätig war. Das Palmers-Geschäft bestand hier bis 1984. [8]


Haus Schubert wird verkauft – Palmers zieht um

1984 wurde das Haus Schubert verkauft, und Inge und Anton Stocker zogen in das Haus Lothringen. Dort führten sie das Palmers-Geschäft weiter – von 1984 bis 2002.

Die Tochter Inge (*1941) hatte Alois Schernthaner geheiratet. Er stammte aus Uttendorf und wurde 1966 Filialleiter beim Konsum in der Poserstraße 10. Gemeinsam bekamen sie zwei Töchter.Mehr zu GeWa & Konsum finden Sie am Standort Poserstraße 10.


Neue Eiegentümer

Die neuen Eigentümer des Hauses Schubert im Jahr 1984, so erzählte mir Inge Schernthaner, waren zwei Geschäftspartner, die größere Pläne mit dem Haus hatten. Leider kam einer der beiden bei einem Unfall ums Leben, woraufhin der zweite beschloss, das Haus wieder zu verkaufen. [8]

 

Grafikdesign und Druckerei

In den 1990er-Jahren übernahmen Ronny Katsch und Christian Lafenthaler, beide gebürtige Bad Gasteiner, das Geschäftslokal im Haus Schubert. Hier eröffneten sie ein Grafikbüro.In der hauseigenen Druckerei konnten sie kleinere Drucksachen selbst herstellen; größere Aufträge wurden in Zusammenarbeit mit externen Druckereien ausgeführt.

Im Kundenauftrag produzierten Ronny und Christian Werbeflyer, Plakate, Visitenkarten, Hotelprospekte, Speisekarten u. v. m. – oft begleiteten sie ihre Kunden vom Entwurf über das Design bis hin zum fertigen Druck.

Ronny Katsch war stets ein unternehmerisch denkender Mensch. Nach seiner Zeit im Haus Schubert gründete er die Vermieterplattform www.booking-gastein.at. Mit Booking-Gastein unterstützte er Vermieter dabei, ihre Ferienwohnungen und Häuser zu vermieten sowie Gäste zu betreuen. Auch Firmen konnten über ihn Personalwohnungen und Zimmer finden. Seine Firma übernahm über viele Jahre nicht nur die Buchungsabwicklung, sondern auch die Objektbetreuung – einschließlich Reinigung, Check-in und Check-out.Sein Büro befand sich im Haus Sponfeldner am Wasserfall.

Seit einigen Jahren schreibt Ronny Katsch freiberuflich für die Bezirkszeitung Pongau und bietet Urlaubern und Einheimischen Kurse im Fliegenfischen an. [9]


Alpenliving – Wohnungen mit touristischer Nutzung

Der Däne Søren Jelstrup erwarb mit seiner Firma Alpenliving als Letzter das Haus Schubert. Anschließend verkaufte er einzelne Wohnungen weiter. Seine Firma sanierte und adaptierte das Gebäude, sodass nun Apartments mit touristischer Nutzung verkauft werden.

Wie bei vielen seiner Immobilienprojekten sind auch hier die ersten Käufer dänische Staatsbürger.„Touristische Nutzung“ bedeutet, dass die Wohnung vermietet werden muss, wenn der Eigentümer sie nicht selbst bewohnt.Auch diesen Vermietungsservice bietet Søren Jelstrup seinen Käufern über seine Partnerfirma AlpenTravel an. [10]


Fussnoten/Quellen:

[1] Laurenz Krisch https://www.zobodat.at/pdf/MGSL_145_0363-0412.pdf. Bau vom Haus usw.

[2] Persönliches Gespräch mit Hermann Altenhuber im März 2023

[3] Meine Vermutungen und schlussfolgerungen mit die Daten ich über Dr. Huber - Herolds telefonbuch 1957 und Info von Familie Stocker/schernthaner habe. Sowie Erzählungen von Einheimischen und beobachtungen vor und im Haus.  

[4] Persönliches Gespräch in Herbst mit. Inge geb. Stocker und Anton Schernthaler

[5] Erzählungen von Einheimsischen über Dr Plötzeneder. Ich hatte die Ehre Erna Plötzeneder auch persönlich kennenzulernen.

[6] MutterKind Pass https://www.frauenmachengeschichte.at/frauenpolitik-in-oesterreich-seit-1970/

[7] Erzählungen von Einheimischen und ein Gespräch 2024/25 mit Irene Stocker Bewohnen Haus Nr 8

[8] Persönliches Gespräch mit Inge Schernthaner geb. Stocker in Herbst 2024

[9] Erzählungen von Einheimischen und kurzes Gespräch 2022 mit Ronny. [10] Kontakt sowohl mit Sören wie mit Eigentümer im Haus 2014 bis 2016 sowie ständige Persönliche Beobachtung.

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