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Erzherzog Johann Promenade 4

Synagoge, Kurhaus Erzherzog Johann - Displaced Personen / DP Camp und Jüdische Ferienhaus, Apartmenthaus Johann

Kurhaus Erzherzog Johann mit Synagoge

Das Gebäude wurde von Baumeister Angelo Comini in den Jahren 1887–1889 errichtet.Ein Zubau erfolgte 1913, und 2006, als der Däne Søren Jelstrup das Haus erwarb, wurde es 2006/2007 komplett saniert.Anschließend wurden die Wohnungen als Zweitwohnsitze verkauft. Dieses Gebäude mit zehn Wohneinheiten war das erste in einer Reihe von Projekten, die Jelstrup gemeinsam mit Partnern in seiner Firma Alpenliving in Bad Gastein und im Salzburger Land umgestaltete und verkaufte. [1]


Jüdische Sommerfrische

Die Geschichte dieses Hauses hängt eng mit den jüdischen Bewohnern und Gästen zusammen, die zur Sommerfrische nach Bad Gastein kamen.In dem Teil des Hauses, wo heute die großen Fenster zur Straße hin sichtbar sind, befand sich einst eine Synagoge – heute ist dieser Bereich Teil einer Ferienwohnung.

Im 19. und frühen 20. Jahrhundert war Bad Gastein ein beliebter Kurort für eine wohlhabende jüdische Gesellschaft aus ganz Europa.Die jüdischen Kurgäste hinterließen eine wichtige kulturelle Spur in der Region, die heute durch Gedenk- und Erinnerungsorte sichtbar ist.

Im Buch „Im Schatten der Mozartkugel“ wird berichtet, dass ein Landtagsabgeordneter der NSDAP Bad Gastein bereits 1919 als „Neupalästina“ bezeichnete, da vor allem Juden aus Wien ihre Sommerfrische im Gasteinertal verbrachten.

Die Historiker Helga Embacher und Robert Kriechbaumer schrieben als Herausgeber ihres Buches „Juden in Salzburg / Der Geschmack der Vergänglichkeit“:„In Salzburg wiesen nur die Stadt Salzburg sowie Bad Gastein einen nennenswerten jüdischen Bevölkerungsanteil auf. Und dieser war ebenfalls äußerst gering – in Salzburg-Stadt zählte die jüdische Minderheit nie mehr als 0,1 % der Bevölkerung.“

In den 1930er-Jahren verschlechterte sich die Stimmung gegenüber Juden zunehmend.Im Sommer 1932 verweigerte der Bürgermeister von Bad Gastein die weitere Beschäftigung dreier jüdischer Musiker im Orchester der Kurmusik.Ein Jahr später verwüsteten SA- und SS-Männer jüdische Geschäfte, und jüdische Gäste erhielten anonyme Drohbriefe:„Schauen Sie, jüdische Sau, dass Sie bald verschwinden. Das Konzentrationslager wartet schon auf Sie.“

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten in Österreich betrieben NS-Bürgermeister den Druck auf jüdische Geschäftsleute weiter.Im Buch „Im Schatten der Mozartkugel“ ist über Bad Gastein zu lesen:„Die Familie Kokisch, Juden aus Polen und Inhaber des Hotels Bristol sowie des ersten koscheren Restaurants im Salzburger Land, wurde mit Repressionen bedroht, wenn sie Hotel und Thermalbad nicht ‚freiwillig‘ verkaufe. Man drohte, das Badewasser abzusperren und damit eine Wertminderung des Hauses herbeizuführen. Die Kokischs konnten in letzter Minute nach Chile ausreisen. Das Hotel wurde zwangsversteigert und von der Polizeiverwaltung des Deutschen Reiches unter dem Namen ‚Haus Ostmark‘ als Lazarett genutzt.“

Auch der beliebte „Arbeiterarzt“ Dr. Anton Wassing wurde von der Gemeinde unter Druck gesetzt, bis er 1940 sein Haus verkaufen musste.In der Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 zerstörten SA-Männer jüdische Hotels und Geschäfte.Zu dieser Zeit lebten keine Juden mehr in Bad Gastein – einige konnten ins Ausland fliehen, andere wurden zwangsweise nach Wien übersiedelt.

Mein Projekt befasst sich bewusst mit der Zeit nach 1945, doch die Vorgeschichte soll nicht unerwähnt bleiben.Wer sich näher dafür interessiert, kann diese Kapitel online nachlesen.Der gebürtige Bad Gasteiner und Historiker Dr. Laurenz Krisch hat mehrere Publikationen und ein Buch über die Entwicklung des Nationalsozialismus in Bad Gastein bis 1938 verfasst – unter dem Titel „Zersprengt die Dollfußketten“.


Wichtige Lager in Bad Gastein für jüdische Displaced Persons (1945–1946)

Für die Juden, die den Holocaust überlebt hatten, brachte das Ende des Zweiten Weltkriegs neue Herausforderungen mit sich.Viele konnten oder wollten nicht in ihre früheren Heimatländer zurückkehren, und die Möglichkeiten einer legalen Auswanderung waren stark begrenzt.Trotz dieser Schwierigkeiten bemühten sich die Überlebenden, ihr Leben neu aufzubauen – in den Lagern für Displaced Persons (DPs) in Deutschland, Österreich und Italien.

Zwischen 1945 und 1951 wurde das jüdische Leben in Europa in diesen Lagern – auch in Bad Gastein – zu neuem Leben erweckt.

Laut der Holocaust Encyclopedia bestand in Bad Gastein ein kleines jüdisches DP-Lager in der amerikanischen Besatzungszone Österreichs, bestehend aus requirierten Häusern und fünf beschlagnahmten Hotels, die als Unterkünfte dienten.Das Lager galt im Vergleich zu anderen als besonders komfortabel und verfügte über eine Volksschule, eine Volksuniversität und eine Oberschule mit umfangreichen Berufsausbildungskursen für Jugendliche und Erwachsene (z. B. Schneiderei, Hutherstellung, Friseurhandwerk, Fotografie, Leder- und Schuhverarbeitung, Tischlerei, Hauswirtschaft).

Bad Gastein förderte auch die schönen Künste: Es gab eine Theatergruppe und ein Chorensemble.Eine Synagoge und eine Talmud-Tora-Schule boten religiösen Unterricht für Kinder.

In den späten 1940er-Jahren galt das DP-Krankenhaus Hofgastein als eines der modernsten medizinischen Behandlungszentren Europas.Es verfügte über chirurgische Einrichtungen, Physiotherapie, Geburtshilfe und Röntgengeräte.Mehrere jüdische DPs aus anderen Lagern – etwa aus Ebensee – kamen nach Bad Gastein, das über 2.000 Menschen aufnehmen konnte.Am 25. März 1946, dem Schließungstag des Lagers, lebten dort etwa 1.330 Juden. [2]


Kurhaus Erzherzog Johann

Ab Ende der 1940er-Jahre reisten wieder jüdische Sommerfrischler als Kurgäste nach Bad Gastein.Sie wohnten in vielen gehobenen Hotels, und jene Gäste, die streng koscher lebten, konnten im Haus Erzherzog Johann Unterkunft finden.

Koscher bezeichnet Speisen, die gemäß den Vorschriften der jüdischen Tora erlaubt sind („geeignet“ oder „zugelassen“). Was nicht erlaubt ist, heißt trefe oder treife.

Der Taxifahrer Hermann Schneeberger erzählte mir, dass er in den 1980er-Jahren beauftragt wurde, gemeinsam mit dem Küchenpersonal Geschirr zu einem Bach zu transportieren, um es dort rituell zu reinigen.

Im Teil des Hauses zur Straße hin, wo heute noch die großen Fenster zu sehen sind, befand sich einst die Synagoge.Heute ist dort eine Wohnung mit einer zusätzlichen Halb-Etage, ähnlich einem Loft, entstanden – ermöglicht durch die hohe Raumhöhe der ehemaligen Synagoge.Diese obere Ebene dient heute als Schlafgalerie und ist von der Straße aus erkennbar.Ich war selbst in dieser Wohnung, und Teile der alten Küche sind noch immer Bestandteil der großen Erdgeschosswohnung. [1]


Nachkriegszeit und Eigentümerwechsel

Wer der Hausbesitzer nach dem Krieg war und wie es bis 2006 weiterging, ist bislang nicht eindeutig belegt.

Ich fand jedoch folgenden Firmeneintrag.


Consulting Trade Handels GmbH

Diese GmbH mit mehreren Gesellschaftern wurde 1994 gegründet und hatte verschiedene Geschäftsführer.Unter derselben Adresse befand sich auch die Firma Singer Software GmbH, die 1994 von Salzburg nach Bad Gastein verlegt wurde.Im selben Jahr änderte sich der Firmenname mehrmals – zuerst zu CTH Handels Ges.m.b.H., später zu CTH Bau- und Handels Ges.m.b.H. [2]



Fußnoten / Quellen

[1] Baujahr laut: gastein-im-bild.info/eb/ecoerz1.html.Persönliche Kontakte mit Søren Jelstrup und Eigentümern im Haus Johann. Artikel in sn.dk bestätigt die Angaben, ebenso alpenliving.com.

Zur Geschichte der Juden in Salzburg / Bad Gastein:

Displaced Persons in Bad Gastein:

[2] Zentralblatt 1994, Eintrag Firmenbuch.


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