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Stubnerkogelstraße 50

Lenglachner - Haus der Geschenke, Tabak-Trafik. Elektro Gschwandtner, Zahnarzt Ordination

Das Lenglachner Haus - Stubnerkogelstraße Nr 50

Haus der Geschenke

Michael Schwarz (*1868 †1947) betrieb zunächst ein Tabak- und Schreibwarengeschäft in der Karl-Heinrich-Waggerl-Straße 30. Er war mit Elisabeth „Elise“ (*1880 †1953) verheiratet. Sie bekamen fünf Kinder, und die jüngste Tochter Augustine "Gustl" (*1922 †2024) übernahm das Geschäft. Zusammen mit ihrem Mann Josef Lenglachner (*1913 †2004) bauten sie in den 1960er Jahren das Wohn- und Geschäftshaus in der Stubnerkogelstraße 50.


Im Herbst 2024 traf ich den Tischlermeister Kurt Lenglachner, und wir sprachen über die Geschichte seiner Familie. Im Stiegenhaus des Hauses Nr. 50 hängen Porträts der Familie Schwarz-Lenglachner. Viele dieser Bilder hatte ich schon früher gesehen, als ich seine Mutter, Frau Gustl Lenglachner, mit dem Taxi abholte bzw. nach Hause brachte. Kurt erzählte mir vom Geschäftsleben seiner Eltern und Großeltern und zeigte mir Fotos. Bei einem der Bilder im Stiegenhaus erzählte er mir etwas Kurioses: Die darauf abgebildete Person stellte seinen Urgroßvater mütterlicherseits dar, der Lokomotivführer war. Er steuerte den Zug, der Kaiser Franz Josef im September 1905 zur Eröffnungsfeier des Bahnhofs nach Bad Gastein brachte. Dieser Urgroßvater lebte damals in Bischofshofen, stammte aber ursprünglich aus Schlesien und kam über die Steiermark nach Bischofshofen, weil er bei der Bahn arbeitete.


Auf der väterlichen Seite stammte Kurts Großvater Michael Schwarz (*1868 †1947) aus Golling. Als Kind war Michael eher von ruhiger Natur und ein schmächtiges Kind. Er wuchs in einer Pflegefamilie im Pinzgau auf. Der Pflegevater war Schmied, aber für diesen Beruf war Michael eher nicht geeignet. Deshalb wurde er nach Zell am See geschickt, um dort eine Ausbildung zum Kellner in einem Hotel zu machen. Er erzählte, dass er oft bis spät in die Nacht Silber putzen musste. Michael war jedoch sehr intelligent, lernte schnell und sprach bald mehrere Sprachen fließend. Neben Deutsch sprach er auch Englisch, Französisch, Italienisch und Arabisch und konnte nach seiner Ausbildung in vielen Ländern und Hotels arbeiten, z.B. als Oberkellner im Hotel Sacher in Wien, im Sheraton Hotel in Kairo, in London und an der Riviera. In der Gastronomie lernten sich vermutlich Michael und seine Frau Elisabeth „Elise“ (*1880 †1953) kennen. Elisabeth durfte, wie mir ihre gleichnamige Enkelin schrieb, eine Nähschule besuchen, arbeitete jedoch später als Köchin.


Nach ihrer Heirat führten Michael und Elisabeth gemeinsam Gaststätten in Vorarlberg und Tirol. In den 1920er Jahren planten sie, nach Salzburg zu ziehen, um dort ebenfalls ein Gasthaus zu betreiben. Die Weltwirtschaftskrise und die massive Inflation Ende der 1920er Jahre machten jedoch ihre Ersparnisse zunichte. Durch die Geldentwertung konnten sie sich für das Geld, das sie für ein Hotel gespart hatten, stattdessen nur noch einen Laib Brot kaufen. Anstatt ein Wirtshaus zu pachten, musste Michael Ende der 1920er Jahre wieder als Angestellter arbeiten, um seine Familie zu versorgen. Deshalb zog er nach Bad Gastein, wo er im Hotel Kaiserhof als Kellner arbeitete. Dort lernte er jemanden von der Tabakregie kennen und konnte so eine Tabaklizenz erwerben, erzählt sein Enkel Kurt weiter. Die Firma „Trafik Michael Schwarz“ wurde um 1930 gegründet, und sein erster Tabakkiosk befand sich in der Nähe der Nikolauskirche (heutige Bismarckstraße/Badbergstraße), doch dieser brannte ab. Wahrscheinlich wurde er nicht wieder aufgebaut, vermutet Kurt, denn zu dieser Zeit hatte sich Herr Schwarz bereits als Geschäftsmann etabliert und konnte ein Geschäftslokal im Haus der Kreditanstalt Oberbank in der heutigen Karl-Heinrich-Waggerl-Straße 30 mieten. Dort, im Erdgeschoss des kleinen Geschäfts, verkaufte Herr Schwarz laut Register Tabak, Reiseandenken, Ansichtskarten, Schreibwaren und kleine Spielwaren. Er hatte auch die Dachgeschosswohnung im Haus gemietet, sodass er seine Frau Elisabeth und vier der fünf Kinder nach Gastein holen konnte. Eine Tochter blieb bei den Großeltern in Amstetten. Das jüngste Kind, Augustine „Gustl“ (*1922 †2024), übernahm später das Geschäft. Die sechsköpfige Familie Schwarz lebte auf dem Dachboden des Hauses. Es war eine sehr einfache Unterkunft: Die Küche befand sich im Erdgeschoss, die Wohnräume in der Mansarde.


Augustine Schwarz verbrachte ihre Schulzeit bei den Franziskanerschwestern in Salzburg. Diese katholische Ausbildung prägte sie tief, und sie blieb ihr Leben lang mit ihren Mitschülerinnen in Kontakt. Jedes Jahr fuhr sie nach Salzburg, um sie zu besuchen. Ursprünglich wollte sie Kulturwissenschaften studieren, doch ihre Eltern bestanden darauf, dass sie das Geschäft übernahm. In der katholischen Kirche von Bad Gastein lernte sie bei einem Gottesdienst ihren späteren Mann Josef Lenglachner (*1913 †2004) kennen, der dort auf einer Wanderreise war. Josef, ein gelernter Elektriker aus Braunau, war von Bad Gastein angetan – und wahrscheinlich auch von Fräulein Schwarz. Als er eine Stellenanzeige sah, in der das E-Werk in Bad Gastein Personal suchte, bewarb er sich sofort und zog nach Bad Gastein, um dort zu arbeiten. So konnte der junge Josef ab und zu im Geschäft bei Fräulein Schwarz vorbeischauen und nach möglichen Reparaturarbeiten fragen, um mit ihr ins Gespräch zu kommen.

Nach dem Tod von Michael Schwarz führte seine Frau Elisabeth das Geschäft als Witwenbetrieb weiter, bis es nach dem Krieg in die Hände von Augustine und Josef überging, die mittlerweile verheiratet waren. Das Paar bekam drei Kinder: zwei Töchter und einen Sohn. Zunächst lebten sie im Dachgeschoss des Gletschermühlenhauses, während das Tabak- und Spielwarengeschäft im Erdgeschoss blieb. Später, in den 1960er Jahren, zogen sie in das neugebaute Wohn- und Geschäftshaus in der Stubnerkogelstraße 50.


Kurt Lenglachner erzählt: „Während der Weltmeisterschaft 1958 gingen mein Vater Josef und ein Angestellter jeweils mit einem Bauchladen aus Korb herum und verkauften Zigaretten und Andenken an die Gäste.“ Er erinnert sich, dass während der Weltmeisterschaft 1958 etwa 60.000 Gäste in Bad Gastein waren. „Damals befand sich neben dem Geschäft im Haus Nr. 30 ein Verkaufsstand, an dem Suppen aus den ganz neu auf den Markt gekommenen Knorr-Suppenwürfeln angeboten wurden.“ Kurt und seine Geschwister, erzählt er weiter, kauften dort fast täglich Suppenportionen und genossen diese sehr. Dieser Verkaufskiosk, so Kurt, stand neben ihrem Haus, und der Händler, ein Freund der Familie, hatte seinen Verkaufsstand weiter Richtung Gletschermühle/Poserstraße.


In den 1950er Jahren bauten Josef und Augustine im Haus Nr. 30 einen zusätzlichen Lagerraum aus, um eine Spielwarenausstellung, besonders für Lego, zu präsentieren. Gustel und Josef fuhren extra zur Nürnberger Spielzeugmesse, um sich über das neue Produkt Lego zu informieren, das sich gut verkaufte.

In den 1960er Jahren beschlossen sie, ein neues Wohn- und Geschäftshaus in der Stubnerkogelstraße 50 zu bauen. Mit Unterstützung von Herrn Steinbacher, der im Haus Nr. 48 wohnte, konnten sie sich ein Grundstück teilen. Der Baumeister Franzmaier entwarf die Pläne, und die Baufirma Angerer setzte sie um.


1970 umfasste das Geschäft Lenglachner laut Register Papierwaren, Büromaschinen, Spiel- und Galanteriewaren, Reiseandenken, Glas und Porzellan, Haushaltsartikel, Strick- und Kindermoden sowie eine Tabaktrafik. In den 1970er Jahren bekam das Geschäft den Namen „Haus der Geschenke Augusta Lenglachner“. Viele Kinder kauften dort ihre Schulsachen und Spielsachen bis Mitte der 1990er Jahre.


Neben dem großen Geschäftslokal befand sich links im Haus von Anfang an ein separates Tabakgeschäft mit eigenem Eingang. Das Personal konnte jedoch im Haus durch eine Verbindungstür zwischen den beiden Geschäften hin- und hergehen.

Die Familie Lenglachner bildete zahlreiche Lehrlinge aus und beschäftigte Angestellte, darunter z.B. Gundi Bergner, die viele Jahre im Geschäft blieb.

Bis Mitte/Ende der 1990er Jahre war das Geschäft noch in Betrieb.[1] 


Elektro Gschwandtner und Tabak-Trafik

Das Lokal stand dann eine Weile leer, bis Elektromeister Sepp Gschwandtner Ende der 1990er Jahre hier ein Elektro- und Haushaltswarengeschäft eröffnete. Er führte auch die TabakTrafik weiter. Sepp Gschwandtner (†2016) und sein ehemaliger Partner Gerhard Reitsamer (*1963†) hatten beide bei Elektro Karl Hadler in der Schareckstraße 26 gelernt und den Betrieb um ca. 1990 übernommen, als Herr Hadler in Pension ging. Deshalb passte das Lokal im Haus Nr. 50 gut zu ihrem Geschäft. Sepps damalige Lebensgefährtin Birgit Steiniger arbeitete als Verkäuferin im Geschäft, ebenso wie einige Angestellte. Mitte Juli 2005 wurde das Lokal gekündigt, und Sepp führte nur noch sein Elektrogeschäft als mobiler Elektriker weiter, bis zu seinem plötzlichen Tod im Jahr 2016. [2]


Zahnarzt und Kieferchirurg

Das Lokal stand wiederum lange leer, bis der Zahnarzt und Kieferchirurg DDr. Alexander Linecker kam. 2019 teilte Dr. Linecker seine Ordination für kurze Zeit mit dem gebürtigen Kroaten Dr. Etienne Cikač.DDr. Linecker betreibt die Ordination in Bad Gastein als Zweitordination, seine Hauptordination befindet sich in A-5204 Straßwalchen.


Dr. Cikač begann seine Tätigkeit als Zahnarzt 2019 hier, konnte jedoch bereits 2020 in bessere Räumlichkeiten in der ehemaligen Ordination von Dentist Heinrich Zelger in der Hans-Kudlich-Straße 10 umziehen.


Fußnoten/Quellen:

[1] Daten vom Grabsteine. Eintrag welche Waren im Compass 1946/47 Industrie Österreich Firmenkundliche portal www.zedhia.at

Inserat im Badblatt von 1949

Compass 1970HandelÖsterreich

Firmenkundliche Beschreibung von rd. 25.000 Handelsfirmen in Österreich

Persönliches Gespräch im Herbst 2024 mit Kurt Langlacher und E-Mail- Verkehr mit Elisabeth Hager

[2] Kurzes persönliches Gespräch mit Birgit Bassetti geb. Steiniger am 14. Juli 2021. Damalige Mitarbeiter und Lebensgefährtin.

http://www.ordination-linecker.at/

https://www.prelomed.at/prelomed-dir/Alexander-Linecker-4840/



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