Goldbergstraße 4-5
Goldbergstraße 4-5 - Reflex Werkstätte - Seifenfabrik - Wohnäuser

Goldbergstraße 4-5
In der Umgebung der Südtiroler Siedlung gab es während und nach dem Krieg viele Wohnbaracken aus Holz. Heute sehen wir in der Bergherrnstraße 3-13 und in der Südtirolerstraße 14-24 einige ältere Wohnhäuser. Dr. Laurenz Krisch schreibt in seinem Buch über „Den Gasteiner Baumeister Franz Xaver Franzmaier und seine Architekten“ aus der Reihe „Schriften des Gasteiner Museums“, dass die Siedlung Böckstein während des Krieges von der Firma Franzmaier erbaut wurde.
Nach dem Krieg waren noch viele alte Holzbaracken vorhanden, in denen während und nach dem Krieg unter anderem Flüchtlinge und Einheimische lebten. Die Flüchtlinge, die nach dem Krieg in Richtung ihrer alten oder neuen Heimat unterwegs waren, fanden hier vorübergehend Unterkunft. Auch Einheimische lebten hier in den 1940er und 1950er Jahren in Holzbaracken, bevor genügend gemauerte Häuser errichtet wurden. Zum Beispiel wurden die Siedlungen rund um die Hauptschulstraße zwischen 1955 und 1969 erbaut, wie Dr. Krisch dokumentiert hat.
Reflex Werkstätte
Auf dem heutigen Grundstück Goldbergstraße 4-5, einer Wiesenfläche mit einer Fläche von ca. 3.000 m², befand sich ein Fabrikgelände. Reflex Werkstätte Nach dem Krieg, ab etwa 1946 bis Mitte der 1960er Jahre, war die Firma Reflex von Ingenieur Wert-heimer in Böckstein ansässig. Dr. Ing. Otto Wertheimer war Fabrikant und Handelsagent. Informationen zufolge soll die Familie Wertheimer privat im Haus Theresienheim auf der Valeriepromenade 6 gewohnt haben. Im Compas Industrie-/Handelsregister von 1949 steht wie folgt: Reflex Werkstätte - Werkstätten für Elektromechanik und Isolation. Maschinenbesitz: 2 Drehbänke, 3 Bohrmaschinen, Shapping- und Fräsmaschinen, 5 Pressen, Blechtafelscheren, Schmiede- und Brennöfen, Trocken-öfen, Spritzanlagen, 6 Schleifmaschinen. Erzeugnisse: Licht- und Gerätestecker, Schalter, Steckdosen, Kochplatten, Heizöfen, Kunststeinmassen. In den 1960er Jahren betrieb er auch Kunststoffhandel und der Standort wurde von Böckstein nach Salzburg, Johann Wolf Straße 4, verlegt. [1]
Seifenfabrik Alpina
Sein Nachfolger auf diesem Standort wurde Josef Grader. Er übersiedelte mit seiner „Seifenfabrik“ vom Anlauftal hierher. 1958 hatte der Wiener Josef Grader (†1968) die ehemalige Firma Hugo Güttel in Anlauftal endgültig allein übernommen. Er war schon ein paar Jahre zuvor in die Firma eingetreten. Ab 1958 hieß die Firma Alpina-Produkte Güttel & Co. Hier wurde Gasteiner Badesalz – wie alle an-deren Produkte ab 1958 mit dem charakteristischen Fichtennadelduft – erzeugt.
Josef Grader lieferte seine Produkte z.B. an die Drogerie Kwidza bei der Katholischen Kirche. Siegfried Moser (*1951) war in den späten 1960er Jahren bei Kwidza angestellt und erzählt, wie das Badesalz in kleine Jutesäcke verpackt war. „Oben mit einer Schleife zugebunden. Die Sprudeltabletten für die Badewanne gab es in 5er- oder 10er-Packungen.“
1968 starb Josef Grader. Die Firma Kwidza übernahm die Aufbereitung und Verpackung der Produkte, erzählt Moser. Der Betrieb wurde nach Dorfgastein verlegt, jedoch relativ bald aufgegeben und dienten als Wohnhäuser.[2]
Frau Esslinger & Familie Wigele
Frau Esslinger war die Nachfolgebesitzerin des Grundstücks. Sie wohnte hier drei Jahre, bevor sie nach Australien zog. Die Familie Emmerich Wigele jun. hat das Grundstück von Anfang/Mitte der 1970er Jahre bis 1988 von Frau Esslinger gemietet. „Das riesige Areal bestand aus einem Wirtschaftsgebäude in L-Form, wo früher die Seifenfabrik Alpina war. Quer davor stand ein Wohnhaus - ebenfalls aus Holz – in dem wir gewohnt haben“, erzählt Alwin Wigele über seine Kindheit in Böckstein. Wir haben das Areal selbst mit Gemüse bewirtschaftet, außerdem hatten wir Hasen, Enten usw. Als Alwin ca. 18 Jahre alt war, zogen er und seine Eltern Emmerich und Renate, sowie seine Schwester Marlies in die Schareckstraße 37. Während ihrer Zeit in Böckstein wollten Emmerich Wigele und der in der Nachbarschaft tätige Maler Jakob Jugenheimer das Grundstück kaufen. Leider kam es mit Frau Esslinger zu keiner Einigung, da sie laut Alwin Wigele, das Grundstück nicht auf mehrere Käufer aufteilen wollte.[3]
Fußnoten/Quellen:
[1] Eintrag im Handelsregister www.zedhia.at, Robert Reindl hatte als kleines Kind mit Frau Werthammer in ihrem Wohnhaus zu tun
[2] Persönliches Gespräch mit Sigi Moser im April 2021 und Zentralblatt 1970 Eintrag in Österr. Handelsregister www.zedhia.at „Verlassenschaft Josef Grader Kaufmann von 1968“ Standort wurde von Familie Wigele bekannt gegeben als Zeitzeugen. Persönliches Gespräch mit Renate und Alwin
[3] Persönliches Gespräch mit Alwin Wigele im Juni 2023