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Scharecklstraße 15

Fleischhauerei Oberbichler - Bayr

Scharecklstraße 15

Schareckstraße 15

Fleischhauerei Oberbichler 

Im Verkaufslokal an der Ecke, Richtung Norden, war lange Zeit die Metzgerei Oberbichler, später Bayr. 

Das Schlachthaus befindet sich noch (2024) in dem Gebäude. 


Mit Hilfe von Elfi Oberbichler, Daten auf Grabsteinen und Handelsregistern konnte ich die Firmengeschichte wie folgt zusammenfassen: 


Michael Oberbichler (*1894 †1950) war in Badbruck geboren und neben dem Bäckerwirtsgut im sogenannten „Rainer Häusel“ aufgewachsen. Dort erlernte er das Metzgerhandwerk. Ab den 1920er Jahren führten er und seine Frau Therese geb. Siegl (*1896 †1980) eine eigene Metzgerei Oberbichler. 

Im Wohn- und Geschäftshaus auf der jetzigen Schareckstraße 15 waren Verkauf und Schlachthaus. Dazu gab es ein Verkaufslokal in der Zwischenkriegszeit auf der jetzigen Karl Heinrich Waggerlstraße 18. Nach dem Krieg übernahm er das Verkaufslokal von der Metzgerei Krisch am Wasserfall. Michael und Therese bekamen drei Kinder: Frieda (*1921 †2006), Erwin (*1924 †2006) und Franz (*1927 †2006). Metzgermeister Michael Oberbichler starb 1950 und sein jüngster Sohn Franz musste von Luzern (Schweiz) wo er gerade arbeitete nach Hause kommen, um den Betrieb zu übernehmen. 


Franz Oberbichler (*1927 †2006) wurde der jüngste Metzgermeister Österreichs. Anfangs führte er den Betrieb mit der Unterstützung seiner Mutter Therese. Es war die Blütezeit in Gastein. Der Verkauf der Fleischwaren war so gut, dass zum Beispiel neben allen anderen Fleisch- und Wurstwaren täglich ein Kalb verarbeitet und verkauft wurde. Wöchentlich fuhr Franz ins Waldviertel oder in die Bucklige Welt, um dort Vieh zu kaufen. Jeden Sonntagvormittag ging Franz Oberbichler in die Bad Gasteiner Hotels „offerieren“.  (Anm. offerieren: Der Metzger, der Bäcker, der Getränkelieferant usw. haben sich am Stammtisch bei den Hotels getroffen, um Bestellungen aufzunehmen und Angebote zu machen. Es wurde an diesen Stammtischen gelacht, politisiert und es wurden Preise ausgehandelt.) 

Häufig war es so, wie es hinter vorgehaltener Hand erzählt wird, „dass die Hoteliers im Herbst – ohne ihre Rechnungen zu begleichen – auf Urlaub gefahren sind und im Frühling, als die Hotels wieder aufgesperrt wurden, war das Geld verbraucht und die Rechnungen konnten nicht mehr beglichen werden. Das zog sich über die Jahre hin, Das war deutlich ein Problem für die Lieferanten“. 

Franz Oberbichler heiratete die Bad Gasteinerin Elfriede Kössler (*1929 †2022). Sie bekamen zwei Töchter, Elfi (*1958) und Heidi (*1971). Elfi beschreibt, wie es früher hier beim Haus war: „Bei der Einfahrt zum Schlachthaus, neben der Fischzucht Leimböck, war rechts ein Stall. Entlang der Straße bis zur Höhe der jetzigen (2023) Bäckerei standen Holzhütten. Darunter oder daneben floss der Leimböck-Bach (Anmerkung: richtiger Name ist Eder-Bach) und dahinter, hinten im Wohn- und Geschäftshaus Richtung ehemaliger Nussdorferhof, befand sich der Hufschmied Schöffmann. Hier hat einmal die Familie Oberrauter gewohnt. Links unten im Wohnhaus war die Waschküche mit einem großen Kochkessel, in dem mehrmals wöchentlich die Berufskleidung der Metzgerburschen ausgekocht/gewaschen wurde. Unter der Woche aß das Personal in der Betriebsküche oder im Schlachthaus. In der Betriebsküche gab es eine eigene Köchin. Am Wochenende bekamen die Angestellten für ihre Familien Fleischpakete mit nach Hause.“ Die Wohnungen waren über dem Schlachthaus. Im Wohnhaus in den 1960er Jahren hatten unter anderem Therese Oberbichler, Frieda Bayr und ihr Sohn Hans-Peter, Franz und Elfriede Oberbichler mit ihrer Tochter Elfi, Frau Erlmoser mit ihrer Ziehtochter Gerlinde Mayer, Adi und Emmi Stromberger mit ihrem Sohn Dieter Wohnungen. Außerdem gab es noch Zimmer für die Metzgerburschen. 

Elfi erzählte auch, wie die Hausfrauen in der Fleischbank einkauften. „Am Ende der ‚Budl‘ (Theke) war die Kassa. Dort saß entweder meine Mutter Elfriede oder Frau Lini. Mein Vater Franz musste schon, als er recht jung war, Fleisch liefern gehen. Er musste z.B. von der Patschsiedlung mit einer Metzgertasche das Fleisch bis zum Café Gamskar tragen. Am Heimweg dämmerte es oft schon. Einmal beim Heimgehen hörte Vater Schritte hinter sich. Ging er schneller, nahm er wahr, dass der vermeintliche Verfolger auch schneller ging. Ging er langsamer, ging der Verfolger auch langsamer. Er hatte große Angst, er war ja ein junger Bub, und hatte noch einen langen und einsamen Heimweg. Als er in der Dunkelheit heimkam, stellte sich heraus, dass der vermeintliche Verfolger nur eine halb abgelöste Schuhsohle war! 

Elfi ergänzt mit Informationen zur Metzgertasche: „Die sogenannten Metzgertaschen gab es in allen möglichen Größen, sogar so groß, dass man ein Kalb liefern konnte, die ‚Haxn‘ haben dann oben rausgeschaut. Dann wurden die Taschen auf den Rücken genommen, die Henkel überkreuzt und wie ein Rucksack getragen. Das Taschenmodell wurde dann in den 1990er Jahren Mode, jedoch aus Leder. Es gab sogar Kurse, um diese Art von Taschen zu erstellen.“ 

Elfi erinnert sich weiter an früher: „Jeden Silvesterabend ist Kaminkehrer Emmerich Wigele zu uns gekommen auf eine kräftige Nudelsuppe und Jause. Mein Vater Franz hatte immer zwei lebendige Ferkel organisiert, die mit uns im Wohnzimmer auf den Kaminkehrer gewartet haben. Um ca. 21 Uhr sind Vati und Emmerich losgefahren – mein Vater war Chauffeur und Emmerich ist mit den Ferkeln in sämtliche Hotels gegangen, um Neujahrswünsche zu überbringen. Sie waren unterwegs, bis sie alle Hotels durchgemacht hatten. Kurz vor Mitternacht ist mein Vater meistens heimgekommen.“ 


1970 veränderte sich die Firmenstruktur. Franz und Elfriede Oberbichler eröffneten einen Standort in Böckstein, wo sie ein Wohn- und Geschäftshaus bauten. (Mehr dazu auf der Adresse Böcksteiner Bundesstraße 110). Seine Schwester Frieda bleibt unter anderem hier auf der Schareckstraße. 


Frieda Bayr geb, Oberbichler (*1921 †2006), heiratete Dr. Josef Bayr aus St. Johann im Pongau, wo sie auch hinzog. Josef Bayr war bei der Bezirkshauptmannschaft St. Johann im Pongau tätig. Er fiel in den letzten Kriegstagen im Zweiten Weltkrieg. Frieda kehrte als Witwe mit ihrem Sohn Hans-Peter (*1943) nach Bad Gastein zurück und arbeitete ab 1945 im Betrieb ihres Bruders Franz als Verkäuferin. Der Betrieb hatte eine Filiale in der Grillparzerstraße 14 mit Verkauf und Imbisstube sowie eine Filiale am Wasserfall am Straubingerplatz 5. Frieda bediente ihre Kunden mit Leidenschaft. Wie schon erwähnt trennten sich im Jahr  1970 die Geschwister Frieda und Franz geschäftlich. Franz und Elfriede Oberbichler bauten in Böckstein ein Wohn- und Geschäftshaus. Frieda übernahm zusammen mit ihrem Sohn Hans-Peter 1970 die drei Geschäfte in Bad Gastein. 

In der Schareckstraße 15 kam später auch ein Imbisslokal mit Tagesmenüs dazu. Diese war noch in den 1990er Jahren offen. 


Paul Bayr

Der jetzige Metzgermeister Pauli Bayr ist der Enkel von Frieda. Er übernahm das Geschäft von seinen Eltern Erika (*1942 †2008) und Hans-Peter (*1943). Die Firma Bayr wurde im Laufe der Jahre mehrfach für die Qualität ihrer Würste und anderer Produkte ausgezeichnet und erhielt viele Preise. 

In den 2010er Jahren entschied sich Pauli, keinen Einzelhandel mehr zu betreiben, sondern sich ausschließlich auf den Großhandel für die Gastronomie und Hotels zu konzentrieren. Der Betrieb kurze Zeit eine mobile Verkaufswagen auf der Raika -Parkplatz 2022-2023. Das Verkaufslokal an der Ecke Schareckstraße 15 wurde an die Dorfbäckerei vermietet, und im ehemaligen Speiselokal eröffnete ein Friseursalon. (Info zum Frisör finden Sie unter eine eigene Textabschnitt - Schareckstraße 15) 


 Erwin Oberbichler (*1924 †2006) war das „Mittlerkind“ von den Geschwistern. Er wurde Förster und leitete die Forstabteilung in der Bezirkshauptmannschaft St. Johann im Pongau. Er baute sein Wohnhaus auf der Schareckstraße 20. Er war mit Louise Pflaum verheiratet. Louise betrieb schon als ledige Frau einen Handel mit Pelzen und war Tierpräparatorin. Sie wohnte damals in der Siedlung (dazu gibt es auch einen eigenen Textabschnitt - Rund ums Raika). 


Alle drei Geschwister Oberbichler, Frieda, Erwin und Franz, starben im Jahr 2006.[1]


Fußnoten/Quellen:
[1] Mein persönliches Wissen und viele Gespräche mit Elfi Oberbichler über die Familiengeschickte. Daten von Grabsteinen und Register

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