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Böcksteiner Bundestraße 120 & 122

Sägewerk - Forellenzucht, Restaurant Forellenhof - Pub & Café

Böcksteiner Bundestraße 120 & 122

Böcksteiner Bundestraße 120 & 122 

Das Sägewerk 

Das alte Sägewerk, das einmal hier existiere, ist nicht mehr vorhanden. Es gehörte der Gewerkschaft Radhausberg und diente deren eigenem Bedarf. Sägen für Privatpersonen gab es auch. Im Register fand ich in den 1950er und 1960er Jahren Tobias Pichler und Josef Steinlechner. Sie boten in Böck-stein - Bad Gastein, ihre fahrbaren Sägen an und waren Holzhändler. Holzhändler waren um diese Zeit auch Peter Müller und George Klausner. Josef Steinlechner siedelte 1951 mit seiner Filiale von Bad Gastein nach St Johann im Pongau. Das alte Sägewerk der Gewerkschaft ist 1941 komplett abgebrannt. Herbert Gruber (*1931) ist dort aufgewachsen und erzählte mir wie folgt: „Mein Vater Josef Gruber hat immer gemeint, dass die zwei Säger wahrscheinlich geraucht hatten und dass sie einen Tschick in der Spalte verloren haben. Durch eine Rille ist der Glimmstängel in die Kammer heruntergefallen, wo das Sägemehl aufgefangen wurde. Dort hat es geglost, bis ein großes Feuer aus-brach. Für die Versicherung hat die Firma einen elektrischen Kurzschluss als Grund genannt“. Herberts Vater Josef war für das Kraftwerk zuständig. Hauptberuflich war Josef bei der Gewerkschaft Radhausberg angestellt und musste das Kraftwerk in seiner Freizeit betreuen. „Mein Vater war im Sägewerk für das Kraftwerk mit einer Turbine mit 54 KWh zuständig. Sägemeister war Herr Müller“. Josef Gruber (†1958) lebte ab 1932 mit seiner Frau Anna und seinen drei Söhnen Herbert, Toni und Otmar und ihren zwei Halbgeschwistern oberhalb des Sägewerkes. Josef Gruber hatte zwei Kinder aus erster Ehe, weil seine erste Frau verstorben war. Das Sägewerk wurde während des Kriegs, nach dem Brand, wieder aufgebaut. [1]


Das Kraftwerk 

Das Kraftwerk der Gewerkschaft Radhausberg für den Betrieb wichtig. Betrieben wurde es von den Gebrüdern Keiner. Besitzer war die Preussag AG. Das deutsche Unternehmen Preussag AG entstand 1923 als Preußische Bergwerks– und Hüttenaktiengesellschaft. 1933, als die Nationalsozialisten in Deutschland an die Macht kam, griffen sie unverzüglich auf die Staatskonzerne und auch auf die Preußische Preussag AG Werke zu. Nach dem Anschluss Österreichs an Deutschland im Jahr 1938 – kurz vor dem zweiten Weltkrieg – bediente sich Deutschland bei den Gold- und Devisenreserven Österreichs und bei wichtigen Unternehmen. Für die Ostmark, wie Österreich nun hieß, galten innerhalb kürzester Zeit die in Deutschland bereits zwischen 1933 bis 1938 umgesetzten Maßnahmen zur Umgestaltung und Erfassung von Staat und Gesellschaft. Industriebetriebe mit nicht passender Firmenführung und politische Posten wurden mit neuem, passendem Personal laut der NS-Arisierungspolitik besetzt, und Privatpersonen wurden zur Mitgliedschaft bei der Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) aufgefordert. Die deutsche Bergbaufirma Preussag AG wurde somit 1938 beauftragt, den Bergbaubetrieb in Böckstein zu übernehmen. Personen in Österreich, die sich kritisch über die damalige Volksabstimmung oder den Anschluss äußer-ten wurden angezeigt und mussten mit harten Strafen rechnen. [2]

Mein Vater war kein Nationalsozialist und kein Mitglied der Partei“, erzählt sein Sohn Herbert. „Für die Nationalsozialisten war jedoch sein Wissen über die Gegebenheiten im Gasteiner Goldbergbau so wichtig, dass sie sozusagen übersahen, dass er kein Mitglied der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) war und somit unbehelligt blieb.“ Zwischen 1926 bis 1937 hatte der Produktionsbetrieb im Bergwerk in Böckstein geruht. 1938 ging es dann wieder los, in der Hoffnung die deutsche Staatkasse zu füllen. Die deutsche Bergbaufirma Preussag AG erzielte zwar keine Erfolge im Hinblick auf Goldfunde, sorgte aber für die Entstehung des heutigen Heilstollens. Die Wirkung für Schmerzpatienten, die heute den Gasteiner Heilstollen besuchen und Schmerzlinderung bekommen, ist für viele mehr als Gold wert. Nach dem Tod von Josef Gruber im Jahr 1958 lebte seine Frau Anna noch 3 Jahre in dem „alten Sägewerk“. In den 1960-1970er Jahren soll die Familie Stöckl dort gewohnt haben. [3]


Ingenieur Neumüller - Forellensucht - Forellenhof im Nr 122

Danach lag es einige Jahre brach, bis Herr Franz Neumüller in den 1980er Jahren das Grundstück mit Restbestand kaufte. Forellenzucht, Restaurant Forellenhof Ingenieur Franz Neumüller (*1917†1990) war in Bad Gastein geboren, verbrachte seine Kindheit und Schulzeit hier und ging dann nach Wien. Als Erwachsener, nach dem Krieg, kehrte er mit seiner Frau Antonia nach Bad Gastein zurück. Er gründete eine Elektrotechnische Maschinenbau Werkstatt in Bad Gastein. Hier auf dem Grundstück Nr. 120 baute er das alte Sägewerk um, bzw. baute er ein neues Haus. Er wollte eine Forellenzucht aufziehen, erzählt Herbert Gruber, langjähriger Mitarbeiter bei Herrn Neumüller. Neumüller nutzte das Wasser, das sonst zu der Turbine im Kraftwerk floss. Er hat einen Teil des Wassers abgezweigt, wobei das Wasser jedoch viel zu kalt war, und aus der Forellenzucht nichts wurde. Franz Neumüller ließ die zwei Betonsilos wieder herausstemmen und eröffnete stattdessen ein Restaurant mit dem Namen Forellenhof. Der in Böckstein aufgewachsene Peter erinnert sich, dass es im Forellenhof ein großes Aquarium gab. Neumüller hatte beim Gasthof Marienstein (Richtung Radeck-Alm) drei Teiche für seine Forellenzucht. An der Hauswand 120 sind Neumüllers Initialen zusammen mit einer Forelle zu sehen. [3] 


Pizzeria und Restaurant Forellenhof im Nr. 122

In den 1980er und 1990er Jahren wurde das Restaurant Pizzeria Forellenhof von der Familie Khurshid betrieben. Ahmad Khurshid wechselte danach die Branche und betrieb ab Mitte der 1990er Jahre das Mineraliengeschäft Nagina im Hotel Elisabethpark in Bad Gastein und später auch noch ein Geschäft in Bad Hofgastein. [4] 


Pub Cockpit im Nr. 120

Franz Neumüller hatte also das Haus Nr. 120 gekauft und umgebaut, und davor hatte er hat das Nebengebäude Nr. 122 neu errichtet. Hier war in den 1980er bis Ende der 1990er Jahre die Bar/das Pub Cockpit. In den 1990er Jahren hatte es ein Käufer übernommen, der laut damaliger mündlicher Infor-mationen ein „Table Dancing“ Lokal eröffnen wollte. Der Mann baute und renovierte fleißig im Lokal, aber nur einen Tag vor der Eröffnung wurde das Haus in Brand gesteckt. Der Innenraum wurde komplett zerstört, sowie auch Teile des Gebäudes. Laut damaligen Gerüchten wurde das Gebäude von einem Konkurrenten aus dem „Rotlicht-Milieu“ angezündet und die Geschäftsidee erlosch. [5]


Wir suchen alte Fotos von Häusern und Lokale wie Forellenhof; Cockpit usw. Wenn Sie welche haben, senden Sie diese bitte per WhatsApp oder E-Mail.


Café - The Irish Coffee im Nr 120

Das Gebäude 122 stand einige Jahre verwüstet leer. Malermeister Rudolf Riepler kaufte später die beiden leerstehenden Häuser und nutze sie als Lager. Café - The Irish Coffee Ende der 2010er Jahre verkaufte er sie an Tomas „Tom“ Plaickner, gebürtiger Gasteiner und Lara O`Connell aus Irland. 2019 renovierten sie die beiden Häuser und betreiben in dem kleineren Haus, Richtung Anlauftal, seit 2020 das Café „The Irish Coffee“. 

Zudem vermieten sie (2024) das ehemalige Restaurant als Büroräumlichkeiten an Ilker Sari, einen Taxiunternehmer. [6]

Mehr über alle Taxifirmen in Bad Gastein bei der Texte am Bahnhof Bad Gastein.


Fußnoten:
[1] Eintrag Herold-Adressbuch 1957 +1965 und Zentralblatt 1951 Eintrag Handelsregister Österreich. Eine Theorie ist, dass “Tschick” sich vom italienischen Wort “cicca” ableitet. “Cicca” ist italienisch und heißt auf Deutsch “Kippe” und meint damit den Zigarettenstummel. Durch die österreichische Aussprache und eine Verkürzung wurde „Cicca” zu „Tschick” ohne „a” Seite aufgerufen am 14. April 2022 https://www.bedeutungonline.de/was-bedeutet-tschick-wo-kommt-das-wort-her-bedeutung-wortherkunft-definition/

[2] Webseiten im Mai 2023 aufgerufen – Als „Anschluss“ Österreichs oder kurz „Anschluss“ werden seit 1938 vor allem die Vorgänge bezeichnet, mit denen österreichische und deutsche Nationalsozialisten im März 1938 die Eingliederung des Bundesstaates Österreich in das nationalsozialistische Deutsche Reich veranlassten. Quelle Wikipedia https://de.wikipedia.org/wiki/Anschluss  dazu https://www.dhm.de/lemo/kapitel/ns-regime/aussenpolitik/oesterreich-1938-1945.html 

[3]Persönliches Gespräch mit Herbert Gruber (*1931) im Mai 2022. Öffentlicher Kommentar von Ulrike Reiter, geb. Gruber auf Facebook 26. Feb 2022, 

[4] Kurzer Schriftverkehr mit Alina Khurshid 08. März 2021

[5] Persönliche Beobachtung vor Ort durch die Jahren als Taxilenkerin

[6] Persönliches Gespräch mit Rudolf Riepler 2016 und persönliches Gespräch mit Tom und Lara kurz nach der Eröffnung 2020.

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