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Böcksteiner Bundesstraße 59 & 61

Kantine, Bierdepot, Geschäftslokal

Böcksteiner Bundesstraße 59 & 61

Auf der Rechte Straßenseite –  kommend aus dem Anlauftal – stehen zwei längliche Wohnhäuser mit den Namen Haus Pansera und Haus Passau. 


Der Name Passau - Haus Nr 61 

Der Name Stammt daher, dass die Gegend hier am Anfang des Anlauftals Passau genannt wird. Früher wurde auch die Brücke über den Anlaufbach Passauer Brücke genannt. [1]


Der Name Pansera - Haus Nr 59 

Der Name stammt vom Kaufmann und Gastronom Carl Pansera (†1934) aus Innsbruck. Er ließ diese beiden Häuser während des Baus der Tauernstrecke errichten. 


Carl Pansera

Damals Anfang 2000 Jahrhunderts waren Tausende von Arbeitern im Gasteinertal beschäftigt. Die genaue Anzahl variierte von Jahr zu Jahr, da der Bau der Tauernbahn in verschiedenen Abschnitten und Phasen erfolgte. Insgesamt war der Bau der Tauernbahn ein großes und langwieriges Bauprojekt, das über viele Jahre hinweg durchgeführt wurde und eine erhebliche Anzahl von Arbeitskräften erforderte. Die Menschen benötigten Lebensmittel und andere Waren. Anfang der 2000er Jahre betrieb Carl Pansera hier eine Kantine, ein Handelsgeschäft und ein Bierdepot. 

Kantinen und Speisehäuser waren beliebt, da viele in einfachen Zimmern übernachteten. 

Auf einer alten Ansichtskarte, die auch vom „Verlag Carl Pansera“ herausgegeben wurde, ist seine „Handlung und Cantine d. Pansera“ zu sehen sowie ein Schild „Bier-depot der vereinigten Brauereien Gösser und Farrach“. In einem Artikel in den Innsbrucker Nachrichten von 1934 wird in einem Nachruf über seinen Tod berichtet, inklusive seines Wirkens hier in Böckstein. 

Nach seiner Zeit in Böckstein kehrte er nach Innsbruck zurück, wo er erfolgreich mehrere Gasthöfe betrieb. [2]


Metzgerei Im Haus Pansera  - Nr. 59 

Hier im Haus gab es also schon wahrscheinlcih schon von Anfang an im Erdgeschoss, Richtung Straße einen Veraufsraum. Vor und während des Krieges bis Ende der 1950er Jahre verkauften hier die Metzger Stefanitsch und später Josef Fraungruber ihre Ware. Das Fleisch bearbeiteten sie oben im Haus 63, neben dem Haus Felsenburg, wie bereits beid er Textabschnitt dort berichtet wurde. 

„Hier im Haus beim Metzger gab es einen Ofen, in dem der Kaminkehrer von innen auf Stufen hochstieg, um zu kehren. Außerdem hatte Metzger Fraungruber eine Selcherei. Wir sind jedoch nicht zu ihm gegangen, sondern bevorzugten es, zu Frau Fries in der Waldschmiede zu gehen, um unser Fleisch zu räuchern,“ erzählt Herbert Gruber (*1931), der auf der anderen Straßenseite aufgewachsen ist, bei der Säge. [3]


Für unsere jüngeren Leser: Früher gab es in den Haushalten keine Kühlschränke und Tiefkühltruhen. Das Essen musste geräuchert, getrocknet, fermentiert oder eingekocht werden, um es haltbar zu machen. Die Menschen mussten öfter einkaufen, um frische Waren zu bekommen. Außerdem gingen alle zu Fuß, da es kaum private Autos gab und die Einkäufe nach Hause getragen werden mussten. 


Das Milchgeschäft - Haus Nr. 59 

Hier gab es auch das Milchgeschäft von Kreszentia Renzel (*1901†1987) Sie hatte zunächst nur das kleine Lokal Richtung Bach, und zwar in dem Teil, der wie ein Zubau aussieht. Sie war mit Ludwig Renzel verheirtate. Als der Metzger Fraungruber 1960 nicht mehr im Haus war, erweiterte Renzel ihr Milchgeschäft mit einer Milchbar. Dort im Erdgeschoss bot sie Eis und Milchgetränke an. Sie verkaufte außerdem laut Register Obst und Gemüse sowie Flaschenbier.  Zudem wird erzählt, dass sie draußen einen kleinen Gastgarten mit Tischen und Stühlen hatte. 

Später übernahm ihre Tochter Herta Zlöbl (*1923†2000) das Geschäft. Sie war mit Josef Zlöbl verheirtate. Die Bauern lieferten ihre Milch in Kannen an die Milchhändler. Diese waren meistens Frauen. Noch bis in die 1950er Jahre wurde unbearbeitete bäuerliche Milch oft verkauft, obwohl Trinkmilchmolkereien bereits produzierten. Da das Trinken von Alkohol erst mit Erreichen der Volljährigkeit - also mit 21 Jahren - erlaubt war, galt es oft als schick für Jüngere, sich in Milchbars und Eisdielen zu treffen. Die ersten Milchbars in Europa entstanden bereits Mitte der 1930er Jahre. 

Das Milchgeschäft Renzel wurde in den 1980er Jahren geschlossen, als Herta Zlöbl in Pension ging. [4]


Das Postamt 5645 

Das Postamt befand sich bis in die 1990er Jahre in diesem Gebäude,  Wenn Renzel in Pensoon ging kam das Postamt. Vorher war die Postamt im Haus auf der Blümlweg 2 hier in Böckstein. Mehr dazu unter der Adresse Blümlweg. [5]


Haus Nr. 61 ist ein Wohnhaus. 

In den 2010er Jahren kaufte ein ortsansässiger Unternehmer die Häuser, und die Fassaden der beiden Häuser 59 und 61 wurden frisch gestrichen. Seit ca. 2018 gibt es einen neuen Besitzer, und die Häuser werden heute als Wohnhäuser genutzt.[6]


Fußnoten/Quellen:
[1] Die Passauer Brücke steht im Bauakt Armenhaus/Volkschule Böcksteiner Bundesstraße 45

[2] Aufgerufen 18. Okt 2022 https://diglib.uibk.ac.at/download/pdf/3982051?name=11121934, zudem in einem Innsbrucker Herold-Telefonbuch gelistet.

[3] Persönliches Gespräch mit Herbert Gruber 13. April 2022 und Dagmar Maschinda sowie Eintrag Herold-Adressbuch 1965

[4] Viele Einheimsichen haben mir vom Michgeschäft erzählt und wie es dort war. Seite auf gerufen Nov. 2021 https://de.wikipedia.org/wiki/Milchbar und https://www.make-sense.org/fileadmin/Daten-KAB/KAB-2002/Fink-K_2.pdf, Kurzes Gespräch mit Familie Zlöbl Betreff wann das Lokal zusperrte. Daten vom Grabstein.

[5] Postamt habe ich selbst vor Ort erlebt.

[6] 2016 bin ich als Immobilienmakler vor Ort gewesen.  Einsicht in Grundbuchauszüge.

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