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Bahnhof Vorplatz und die Taxigewerbe

Taxistandplatz damals und jetzt - Pause Kammerl, Funk Taxi und Taxmeter

Das Taxigewerbe

Ein Taxi ist ein öffentliches Verkehrsmittel zur gelegentlichen Personenbeförderung – Gelegenheitsverkehr –, dessen Fahrer einen Personenbeförderungsschein benötigt und gegen Bezahlung nach Taxameter den Fahrgast direkt zum gewünschten Ziel befördert.

Der Begriff „Taxi“ stammt von dem in der Droschke zur Preisbestimmung genutzten Taxameter (griechisch etwa „Gebührenmesser“, auch Fahrpreisanzeiger, gelegentlich als Taxi-Uhr bezeichnet). Seit dem 17. Jahrhundert standen sie in Europa als kommerziell betriebene Unternehmen jedermann zur Verfügung.

Zusätzlich zu den Fiakern gab es die Gepäckträger. Sie schoben das Gepäck auf Holzwägen. Besonders in Gastein – aufgrund der steilen Struktur des Wegenetzes – war das ein sehr anstrengender Beruf.

Schon vor dem Krieg gab es in Bad Gastein Taxis. Sie waren hauptsächlich für die Gäste im Einsatz. Meistens wurden Ortsfahrten durchgeführt, aber auch mehrtägige Rundfahrten und Tagesausflüge. Von den Einheimischen wurden die Autos meistens für besondere Fahrten wie z. B. Hochzeiten gebucht. Mit der Zeit fuhren nicht nur Gäste, sondern auch Einheimische und Saisoniers täglich mit dem Taxi.


Standplatz am Bahnhof mit Pause-Kammerl

Am Taxistandplatz gab es nach dem Krieg bis Ende der 1980er Jahre für die Taxler ein Pause-Kammerl – ein schmaler kleiner Raum mit einem Holzofen in der Mitte, später durch einen Elektroofen ersetzt. Dort konnten sie ihr mitgebrachtes Essen aufwärmen. Damals war es üblich, einen Blechbehälter zu benutzen. Dieser hatte ein oder zwei Zwischenböden – in einem Teil war z. B. die Suppe, im nächsten das restliche Essen. Diese Blechdose wurde am Ofen eingehängt. Die Taxifahrer mussten den Ofen selbst bedienen und für eigenes Heizmaterial sorgen.

Es gab auch ein Telefon am Standplatz. Gäste, die ein Taxi wünschten, riefen dort an. Der Taxler, der als Erster am Standplatz stand, war an der Reihe. Dieses Telefon gab es noch bis Anfang der 1990er Jahre. Als es verschwand, wurde auch das Pause-Kammerl zugemauert.

Noch in den 1950er- und 1960er-Jahren wurde ohne Taxischild gefahren. In den 1970er-Jahren wurden die Autos zunehmend als Taxis gekennzeichnet. In den 1980er-Jahren kamen mehr und mehr Kleinbusse bei den Taxifirmen zum Einsatz. Die Kleinbusse waren für Ausflugsfahrten im Sommer und für Skifahrer im Winter ideal. Heute dominieren in den Skiorten wie Bad Gastein noch immer die Kleinbusse das Taxigewerbe.


Funk-Taxi

Manche Taxiunternehmer hatten zu Hause zwar ein Telefon, aber das funktionierte nur, wenn sie auch tatsächlich zu Hause waren bzw. jemand dort das Gespräch annehmen konnte. Zum Beispiel wurde mir erzählt, dass Herr Domanig auf dem Balkon eine Glocke montiert hatte, sodass seine Frau das Telefon hören konnte – auch wenn sie im Garten war. Viele Ehefrauen saßen zu Hause beim Telefon, während der Mann Taxi fuhr. Kam eine Bestellung herein, musste sie dann am Standplatz anrufen, um mit dem Mann zu sprechen und die Fahrt weiterzugeben. Eine Erleichterung war es für alle Beteiligten, als in den 1980er Jahren tragbare Funkgeräte aufkamen. Dann war es erstmals möglich, die Fahrer direkt im Auto zu erreichen. So entstand auch der Ausdruck „Funk-Taxi“, der eifrig in der Werbung benutzt wurde.


Bahnhofs- und Flughafentransfers, Ausflüge und längere Rundreisen wurden meist direkt bei den Taxiunternehmern per Post im Voraus oder vor Ort bestellt. Bis in die 2010er Jahre standen die Taxiunternehmer während der Sommersaison im Zentrum – meistens mit Werbeschildern für diverse Ausflugsfahrten neben dem Auto. Auch kleine Ausflugsbüros wurden eröffnet. Um die 2010er Jahren änderte sich die Struktur der Gäste, und diese Art von Ausflugsfahrten wurde nicht mehr nachgefragt – nicht nur in Gastein, sondern auch in Zell am See, Maria Alm, Kitzbühel usw.

Anfang der 2000er Jahre kamen zunehmend Mobiltelefone, E-Mail und später eigene Homepages der Firmen hinzu.


Anzahl der Taxis war bis 1986 reglementiert

Bis 1986 durfte es nur eine gewisse Anzahl an Taxikonzessionen im jeweiligen Ort geben. Der Zugang war somit reguliert. Früher waren mehrere Berufe Anzahlmässig reglementiert. Heute (2025) ist in Österreich nur noch bei der Rauchfangkehrer der Anzahl reglementiert.


Als ich selbst Anfang der 1990er Jahre den Taxischein bei der Wirtschaftskammer machte, erzählte mir der damalige Ausbilder, Kommerzialrat Peter Tutschku, dass ein Unternehmer aus Bad Gastein (Name ist mir bekannt) im Jahr 1986 diese Bedarfsprüfung beim Gericht zu Fall gebracht hat. Der Bad Gasteiner wollte sich selbständig machen, jedoch nicht warten, bis ein alteingesessener Taxler in Pension ging, und vor allem wollte er keine Ablöse zahlen. Die Zugangsbeschränkung wurde durch dieses Urteil beim Gericht 1986 aufgehoben, und dann konnte jeder, der wollte, eine Taxifirma starten.

Also wurden bis 1986 die vorhandenen Taxikonzessionen bei der Pensionierung erfolgreich an einen Nachfolger verkauft. Nicht nur beim Taxi, sondern auch in anderen Branchen mussten in den 1950er–1970er Jahren oft hohe Ablösen und Leibrenten als Nachfolger gezahlt werden, um eine Konzession oder ein Geschäftslokal zu bekommen. Zusätzlich zu den Ablösen fielen bei Geschäften für der Nachfolger selbstverständlich die laufende Kosten für Miete, Strom usw. an, die nichts mit der Konzession zu tun hatten.

Die gewerberechtlichen Kosten und das Ansuchen um eine eigene Konzession bei der Behörde kosteten ebenfalls Geld. Die Ablöse der Konzession/Geschäftslokal ging allerdings direkt in die Tasche des Vorgängers. Damals hatten Kinder, als Nachfolger es oft wirtschaftlich leichter, da die keine Konzession "kaufen" müssten.

Der jeweilige Person müsste selbstverständlich jedoch die Voraussetzungen haben um ein Taxifirma zu führen:


  • Bis 31. Dezember 2020 war es noch möglich, eine Konzession zu erwerben, sofern man zusätzlich zur fachlichen Eignung auch eine Praxiszeit von drei Jahren im Gewerbe nachweisen konnte.

  • Seit 1. Jänner 2021 wurde die Regelung geändert:

    In Österreich ist für die Durchführung eines Taxi- oder Personenbeförderungsunternehmens eine Konzession erforderlich. Diese Konzession setzt seit dem 1. Jänner 2021 zwingend den Befähigungsnachweis voraus, also das Bestehen einer fachlichen Eignungsprüfung (auch bekannt als Konzessionsprüfung). Damit ist der Betriebsübernehmer oder Neugründer selbst verpflichtet, diese Prüfung abzulegen – eine bloße Übertragung oder Übernahme einer bestehenden Konzession reicht nicht mehr aus, wenn dafür nicht bereits der Befähigungsnachweis erbracht wurde.

  • Alle Taxilenker müssen einen Personenbeförderungsschein – auch Taxilenkerausweis oder Taxischein genannt – besitzen, den man durch einen Kurs mit abschließender Prüfung bei der Wirtschaftskammer erlangt.


Taxameter

Es ist bekannt, dass Taxameter in den 1880er Jahren auf Pferdedroschken montiert wurden, bevor sie in Kraftfahrzeuge eingebaut wurden. Bad Gastein hat eine lange Geschichte als Kur- und Wintersportort, was eine florierende Taxi-Infrastruktur begünstigte. Der deutsche Unternehmer Friedrich Wilhelm Gustav Bruhn gilt als Erfinder des modernen Taxameters.

Das Gasteinertal bekam – im Verhältnis zu anderen Orten in Österreich – relativ früh einen verbindlichen Taxitarif. Die Einführung dürfte Ende der 1980er/Anfang der 1990er Jahre erfolgt sein, da ich, als ich im November 1990 als Taxilenker begann, bereits ein Taxameter im Auto hatte. Die Kundmachung setzte verbindliche Tarife für Bad Gastein, Bad Hofgastein und Dorfgastein fest, die noch immer als ein einziges Tarifgebiet gelten. Durch die erste Kundmachung wurden Taxameter im Auto vorgeschrieben.


Taxistandplatz am Bahnhof wurde gedreht!

Über viele Jahre – bis in die 2010er-Jahre – standen die Taxis am Standplatz „gegen die Fahrtrichtung“. Das hatte sich so ergeben, weil die Gäste damals aus der Bahnhofshalle kamen und so direkt zum ersten Taxi gehen konnten. Bis in die 1980er-Jahre gab es am Bahnhof Portiers/Gepäckträger, die den Gästen mit dem Gepäck vom Zugwaggon bis ins Hotel oder zum Taxi halfen bzw. umgekehrt. In der Halle gab es Kioske, ein Buffet, ein Fahrkartenschalter, Gepäckaufbewahrung sowie die Möglichkeit die Koffern per Bahn zu versenden und ein Zugang zum Bahnhofsrestaurant.

Mit dem Bau der neuen Übergangsbrücke vom Bahnhofsplatz zur Stubnerkogelbahn kamen die Skigäste eher „hinten“ am Standplatz an, wenn sie ein Taxi brauchten. Auch die Bahngäste gingen nun lieber durch den Durchgang "beim Blumengeschäft", statt durch die Bahnhofshalle. Auch heute (2024) kamen die Gäste dort vom Bahnsteig. Das führte zunehmend zu Konflikten unter den Taxifahrern, denn es wurde „hinten“ am Standplatz eingeladen, und so bekam nicht der Fahrer, der an erster Stelle stand, die Fahrt.

Nach mehreren Anzeigen und Streitereien unter „den Taxlern“ kam es zu Gesprächen, um eine Lösung zu finden. Nach einem Treffen mit der Polizei wurde der Standplatz in den 2010er-Jahren „umgedreht“. Seitdem stehen die Taxis in Fahrtrichtung. Die Gäste steigen nun sicherer ein – vom Gehsteig aus, statt auf die Straße hinausgehen zu müssen. Bis 2024 war der Standplatz vorne direkt bei der Brücke/Rolltreppen.


Neuer Taxistandplatz ab Ende 2025

Im Zuge der umfassenden Sanierung des Bahnhofsplatzes im Jahr 2025 wurde der Platz neu gestaltet, und der Taxistand wurde weiter nach Norden verlegt – dorthin, wo sich früher die Bushaltestelle befand. Statt acht gibt es nun nur noch drei Stellplätze direkt vor dem Bahnhofsgebäude.

Die übrigen Taxis warten etwas weiter hinten auf der Fläche der ehemaligen Kurzparkzone, neben der Tankstelle in der Kaiser-Franz-Josef-Straße.

Für die Linienbusse wurde ein neues Busterminal für mehrere Busse in der Nähe des Postamts, in Richtung des Lebensmittelgeschäfts Eurospar, errichtet.


Quellen/Fussnoten:

Erzählungen wie es früher war von Hermann Schneeberger, langjähriger Taxiunternehmer.

Fakten und erlebtes  ab 1990 durch meine eigene Tätigkeitals Taxilenkerin und ab 2003 als Taxiunternehmerin im Ort . https://www.wko.at/oe/transport-verkehr/befoerderungsgewerbe-personenkraftwagen/gutachten-zugangsbeschraenkungen-dr-potacs.pdf




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