Gamskarstrasse 2
Schneiderei Brenner
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Schneiderei Brenner – Gamskarstraße 2
Die Familie Brenner gehörte zu den Donauschwaben in heutige Serbien. Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs musste sie vor den Partisanen aus ihrer Heimat flüchten. Donauschwaben, war der deutschsprachigen Bevölkerung, die seit Generationen in verschiedenen Gebieten Südosteuropas lebte.
„Als die Partisanen vor der Tür standen, hat mein Vater alle Tiere beim Haus freigelassen und wir sind weggelaufen. Ich und ein junger Mann sind Hand in Hand einen Hügel hinaufgelaufen, er wollte mir helfen als er neben mir erschossen wurde.“ Die Familie konnte fliehen und gelangte praktisch mittellos nach Österreich.
Familie Brenner
Zur Familie gehörten Valentin Brenner (1898–1981), seine Frau Maria Brenner (1897–1991) und ihre Tochter Katharina, genannt Kathi, Brenner (1923–2016). Sie warengeflohen und waren, wie viele Flüchtlinge damals, bettelarm, erzählte mir Katharina Brenner "wir müssten uns von Müllhaufen ernähren um überhaupt was essbares zu finden". Die Familie hielt sich zunächst an mehreren Orten in Oberösterreich auf, wo ein Teil der ebenfalls geflüchteten Verwandten blieb. Nach Kriegsende 1944/45 fanden Katharina und ihre Eltern schließlich in Bad Gastein ihre neue Heimat. Zunächst lebte die Familie in einem kleinen, einfachen Holzhaus in der Nähe des Grünen Baums im Kötschachtal.
Katharina erzählte, dass ihr Vater Ende der 1940er- bzw. Anfang der 1950er-Jahre als Ausländer nicht als Angestellter arbeiten durfte. Ein einheimischer Bekannter riet ihm deshalb, sich mit seinem erlernten Beruf als Schneider selbstständig zu machen. So entstand die Schneiderei Brenner. Heinrich Strasser (*1941) erzählte mir dass er sich erinnern kann das Herr Brenner als Schneider zuerst in der Näher von der Nikolaus Kirche ein Lokal hatte, denn er hat als Kind dort Kleider zu ändern hingebracht und auch abgeholt.
Schneiderei Brenner
Valentin Brenner war gelernter Schneidermeister. Seine Frau Maria und Tochter Katharina arbeiteten fleißig mit und halfen bei den Näharbeiten. Durch ihre gemeinsame Arbeit konnte sich die Familie schließlich ein Grundstück an der damaligen Gamskarpromenade 2, heute Gamskarstraße 2, leisten und dort ein eigenes Haus bauen. In diesem Haus wohnte und arbeitete die Familie und wurde zu ein angesehener Schneidermeisterei in Bad Gastein. Die Schneiderei war vor allem auf Herrenbekleidung spezialisiert.
Besonders geschätzt wurden seine präzise gearbeiteten Maßanzüge und Sporthosen. Zu seinen Kunden gehörten Hotelbesitzer unter Anderen Herr Franzmair und Einheimische ebenso wie Kurgäste, Sportler sowie Schauspieler und andere bekannte Persönlichkeiten, die sich in Bad Gastein aufhielten.
Die Arbeit eines Schneiders sah damals noch ganz anders aus als heute. Katharina erzählte, dass ihr Vater zum Maßnehmen persönlich zu seinen Kunden fuhr – entweder zu ihnen nach Hause oder direkt in die Hotels. Anschließend wurde im eigenen Haus an der Gamskarstraße genäht. Auch die fertigen Kleidungsstücke wurden den Kunden wieder persönlich nach Hause oder ins Hotel gebracht.
Maria und Katharina unterstützten Valentin bei den Näharbeiten. Katharina half über viele Jahre fleißig im Familienbetrieb mit.
Katharina "Kathi" Brenner
Fleiß und Arbeit spielten im Leben der Familie Brenner eine große Rolle. Dazu passt auch eine persönliche Geschichte, die Katharina später erzählte. Als junge Frau lernte sie einmal einen Mann kennen und glaubte zunächst, dass er vielleicht der richtige Mann fürs Leben sei. Die Schwärmerei hielt jedoch nicht lange an. Er war ihr – und vor allem ihrem Vater – nicht fleißig genug. Katharina blieb ihr Leben lang unverheiratet und kinderlos. In den letzten Tagen ihres Lebens erzählte sie mir von dieser Beziehung, aus der nie eine Ehe wurde, und sagte dabei ganz offen, dass sie mit 93 Jahren noch Jungfrau sei.
Nach dem Tod ihres Vaters Valentin im Jahr 1981 lebte sie gemeinsam mit ihrer Mutter Maria weiter im Haus an der Gamskarstraße. Maria Brenner starb 1991. Danach lebte Katharina allein in ihrem Haus wo sie ein einfaches Leben an der Gamskarstraße 2 führte. Das Haus liegt etwas abseits oberhalb der Straße am Hang. Das letzte Stück führte nur ein schmaler Gehweg hinauf. Alles, was die Familie benötigte, musste das letzte Stück zum Haus hinaufgetragen werden – Lebensmittel, Heizmaterial und andere Waren. Das Haus war einfach gebaut. Geheizt wurde mit Holz, und Katharina erzählte, dass im Winter sogar die Wasserleitungen einfroren. Trotz dieser beschwerlichen Verhältnisse blieb sie ihrem Haus treu. Katharina Brenner lebte dort bis ca drei Monate vor ihrem Tod im Jahr 2016. Sie war also sehr kurz im Seniorenheim. Sie wurde 93 Jahre alt.
Heute ruhen Valentin, Maria und Katharina Brenner auf dem Friedhof in Bad Gastein.
Seit Katharinas Tod 2016 steht das Haus an der Gamskarstraße 2 leer. (Stand 2026) [1]
Fussnoten/Quelle: [1] Persönliche Gespräche im Taxi durch der Jahren vor allem 2014 - 2016. Ich habe auch Maria Brenner 1991 im Taxi gefördert. Persönliches Gespräch mit Frau Berol 2016 und 2021. Frau Berol hat die Fotos zu verfügung gestellt.
Persönliches Gespräch mit Herinrich Strasser 30. Sept 2026




